who's who am Landschaftshaus in Landshut
Die Landshuter Gästeführer nehmen die Fassade genauer unter die Lupe
Von Sieglinde Brams & Stefan Metzenauer
„Das schönste Gebäude der Stadt!“, hört man immer wieder Gäste sagen, die es staunend fotografieren. Die „Alte Post“ nennen viele
Landshuter dieses Gebäude - so steht es ja auch über dem Haupteingang - weil sich hier von 1806 bis 1905 das königliche Postamt der
Stadt befand. Offiziell heißt das Gebäude „Landschaftshaus“. Der Name hat aber nichts mit einer Landschaft im heutigen Sinne zu tun.
Hier tagten vielmehr von 1556 bis 1806 die niederbayerischen Landstände (Adel, Geistlichkeit und Bürger), um über Steuern und Finanzen
zu entscheiden - quasi das Parlament der damaligen Zeit. Den Nachfolger nennt man in Bayern bis heute „Landtag“.
Drei gotische Häuser, die früher an dieser Stelle standen, wurden daher um 1600 zu dem heutigen Gebäude zusammengefasst. Durch diese
Vereinigung wurde es zu einem Gebäude mit einer beachtlichen Breite, einem traufständigen Haus, dessen Fassade man mit einem ausgiebigen
Bildprogramm belebte. Der Entwurf stammt von Hans Bachmayr, ausgeführt von Hans Georg Knauf, erneuert 1768 durch Simon Wolfgang Krätz.
Da sich das Haus in den 1970er Jahren in einem desolaten Zustand befand, überlegte man, die Fassade komplett neu zu gestalten, die
Bemalung wäre damit verloren gewesen. Durch einen glücklichen Umstand und der Sanierung durch Bernhard Kellhammer 1972 blieb es bis
heute erhalten, auch wenn die Fenster im Erdgeschoß damals durch die heutigen Schaufensterbögen ersetzt wurden.
Am 8. Oktober 1868 wurde in diesem Haus der Maler Max Slevogt geboren, einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Impressionismus.
Nach dem frühen Tod des Vaters übersiedelte seine Mutter mit ihm schon in seinen ersten Lebensjahren nach München und später nach Würzburg.
Es ist mittlerweile das einzige Haus in der Altstadt mit einer so prächtig bemalten Fassade. Durch dieses Alleinstellungsmerkmal fällt es auf,
doch nur wenige nehmen sich die Zeit, es genauer zu betrachten. Prachtvoll, stolz, reich geschmückt präsentieren sich uns hohe Herrschaften
aus dem Hause Wittelsbach. Und bescheiden waren diese Wittelsbacher wahrlich nicht! Zwischen den Fenstern des ersten und des zweiten Stocks befinden
sich vier runde Medaillons mit Abbildungen der assyrischen, persischen, griechischen und römischen Weltreiche. Und mit diesen stellt sich
das Haus Wittelsbach an der Fassade quasi auf die gleiche Stufe. Bei genauer Betrachtung tritt in der Mitte Janus hervor, der römische Gott
allen Ursprungs, des Anfangs und des Endes. Mag die zweigesichtige Gottheit eine Anspielung auf das Leben der hier porträtierten Wittelsbacher
sein – auf ihre innere Zwiespältigkeit oder gar auf die spannungsreiche Beziehung untereinander?
In der Serie „who's who am Landschaftshaus“ nehmen die Landshuter Gästeführer einige der dargestellten Wittelsbacher Fürsten genauer unter
die Lupe. Seien Sie gespannt, welche Geschichten dabei zum Vorschein kommen.
Ausführliche Informationen zu den einzelnen Fürsten können Sie über die Symbole "+/-" neben den entsprechenden Namen ein-/ausblenden. Oder
Sie klicken in dem obigen Bild mit der Fassade einfach auf den entsprechenden Fürsten.
Obere Reihe
1 Herzog Otto I.
Von Kerstin Kameter-Schenkl
Er war der Erste. Der erste Herzog von Bayern aus der Dynastie der Wittelsbacher.
Deshalb eröffnet er auch den bildhaften Reigen der Wittelsbacher Herzöge auf der Fassade des
Landschaftshauses in der Landshuter Altstadt. Stolz und herrschaftlich dastehend entdeckt man
ihn in der linken oberen Ecke des so kunstvoll bemalten Bauwerkes.
Kaiser Friedrich Barbarossa ernannte am 16.09.1180 auf einem Hoftag in Altenburg in Thüringen
den bisherigen Pfalzgrafen Otto zum Herzog von Bayern und belehnte ihn gleichzeitig mit dem
Herzogtum Bayern, womit der Aufstieg der Wittelsbacher in Bayern begann.
Otto I. war ein enger Vertrauter und Kampfgefährte des Kaisers. Friedrich Barbarossa setzte
auf ihn als loyalen Gefolgsmann und wusste, dass die Familie der Wittelsbacher in Bayern tief
verwurzelt war.
Durch seine Ernennung zum Herzog wurde eine neue Epoche eingeleitet, denn die Regentschaft
der Wittelsbacher in Bayern sollte nun bis zum Ende des 1. Weltkrieges währen. Ihm ist es zu
verdanken, dass die Wittelsbacher sich als vorherrschende Macht in Bayern etablierten.
Otto I. trug auch den Beinamen „Rotkopf“ und wurde um 1117 in Kelheim geboren. Er starb 1183
überraschend auf der Rückkehr vom Frieden von Konstanz auf der kaiserlichen Burg Pfullendorf.
Sein noch minderjähriger Sohn Ludwig wurde dann sein Nachfolger.
Im Herzen war Otto I. immer ein Kämpfer und sah sich gern in Rüstung und im goldverzierten
Harnisch. Schon vor seiner Ernennung zum Herzog von Bayern zog er für seinen Kaiser in die
Schlacht. Unter seiner Führung geschah ein für das Wittelsbacher Herrscherhaus entscheidender
geschichtlicher Moment, nämlich die Eroberung der Veroneser Klause 1155. Die Gegner Kaiser
Barbarossas verstellten den Gebirgspass in den südlichen Alpen. Aus dieser Falle entkam der
Kaiser nur durch den Einsatz des damaligen Pfalzgrafen Otto, der mutig und furchtlos die
Höhenzüge besetzte und dem Kaiser so die Rückkehr in die Heimat ermöglichte.
Nicht zuletzt dieser selbstlose Einsatz für Friedrich Barbarossa brachte ihm einige Jahre
später wohl auch das Herzogtum Bayern ein.
Die Erinnerung an das Leben und Wirken des Stammvaters Otto I. wird aus gutem Grund seit
jeher hochgehalten. Einige seiner Taten sind auch auf einem wirklich bedeutenden Kunstwerk
verewigt: eine Serie von insgesamt 10 Wandteppichen, golddurchwirkt und in sehr gut
erhaltenem Zustand, von denen einige auch auf der Burg Trausnitz besichtigt werden können.
Diese Otto-Teppiche wurden von Kurfürst Maximilian I. 1614 in Paris in Auftrag gegeben und
nach Entwürfen des Hofmalers Peter Candid aus einer wahren Masse an Gold-, Seiden- und
Silberfäden gefertigt. Auf einem dieser Wandteppiche wird Otto von Wittelsbach sogar als
Gründer Landshuts dargestellt. Da wurde er aber mit fremden Federn geschmückt, denn diese
Ehre gebührt tatsächlich seinem Sohn Ludwig, der 1204 die Grundsteine der Stadt Landshut legte.
Inschrift über dem Porträt: OTTO COMES WITTELS: DVX BAV. HVIVS VRBIS FVND: Otto, Graf von Wittelsbach, Herzog von Bayern und Gründer dieser Stadt
(Tatsächlich gründete erst sein Sohn Ludwig der Kelheimer im Jahr 1204 die Stadt Landshut.)
Wappen unter dem Porträt:
-weiß-blaues Rautenwappen: Die weiß-blauen Rauten gehörten - geerbt aus dem Hause der Grafen von Bogen nach der Heirat von Ludwig dem Kelheimer mit Ludmilla, Gräfin von Bogen - seit dem 13. Jh. zum Hauswappen der Wittelsbacher.
-goldener Löwe auf schwarzem Grund: ist primär als Pfälzer Löwe bekannt, historisches Wappensymbol der Pfalzgrafen zu Rhein. Heute wesentlicher Bestandteil des bayerischen Staatswappens (für die Oberpfalz). Es findet sich auch im Wappen Baden-Württembergs (Bezug zur Wittelsbacher Kurpfalz).
-roter Löwe auf weißem Grund: Grundsätzlich wurde der Löwe lange als Zeichen für herrschaftliche Würde, Macht und Adel verwendet. So findet sich etwa der Löwe – oft in anderen Farben oder Anordnungen – als Bestandteil der Landesteile oder Territorien, die Wittelsbacher Herzöge regierten bzw. beanspruchten.
Das rote Löwen-Wappen auf weißem Grund lässt sich als historisch-heraldisches Symbol der Wittelsbacher bzw. eines frühmittelalterlichen bayerischen Herrschaftswappens deuten und zeigt vermutlich einen heraldischen Löwen als allgemeines Adels-/Herrschaftssymbol der regierenden Familie in der Zeit Ottos I., nicht unbedingt ein spezifisches territorial identifiziertes Wappen, wie es später für Staaten gebräuchlich wurde.
2 Herzog Ludwig I., der Kelheimer
Von Eugen Eder
Als der 57-jährige Ludwig am 15. September 1231 mit seinen Rittern zu seinem täglichen Rundgang durch Kelheim
aufbrach, ahnte er nicht, dass er nur mehr wenige Minuten zu leben hatte. Auf der Donaubrücke wartete ein Mann
auf ihn, der ihm eine Pergamentrolle entgegenhielt. Ludwig griff nach dem Papier und in diesem Augenblick stieß
ihm der Fremde einen Dolch durch den Hals. Röchelnd stürzte der Herzog zu Boden und war auf der Stelle tot.
Seine Begleiter indes zerhackten den Mörder mit ihren Schwertern und warfen die abgetrennten Gliedmaßen in die
Donau.
Bis heute weiß man nicht sicher, wer der Attentäter war und ob er im Auftrag einer höheren Macht handelte. Manche
Spuren verweisen auf Kaiser Friedrich II., dessen enger Vertrauter Ludwig lange Zeit gewesen war. Doch dann
verschlechterte sich das Verhältnis zum Kaiser, da Ludwig in Verdacht geriet, sich mit dem Papst gegen die Staufer
zu verbünden.
Ludwig I. war einer der bedeutendsten Fürsten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Er war erst der zweite
Wittelsbacher auf dem bayerischen Herzogsstuhl. Sein Vater Otto I. wurde 1180 von Kaiser Friedrich Barbarossa mit
dem Herzogtum Bayern belehnt, starb aber bereits drei Jahre später. 1183 war Ludwig erst 9 Jahre alt und stand bis
zu seiner Volljährigkeit 1192 unter der Vormundschaft von seiner Mutter und zwei Onkeln. Mit einer klugen Politik
und geschicktem Heiraten erweiterte Ludwig dann kontinuierlich seinen Einfluss und seine Machtgrundlagen und
begründete damit den Aufstieg der Wittelsbacher als eines der bedeutendsten Fürstengeschlechter im Reich.
Seinen Beinamen „Der Kelheimer“ verdankte er der Tatsache, dass er in Kelheim geboren wurde, dort heiratete und
auch dort starb.
Ludwig war bereits 30 Jahre alt, als er im Jahre 1204 die drei Jahre ältere Ludmilla von Böhmen, die Nichte des
böhmischen Königs Ottokar, heiratete. Sie war die Witwe seines früheren Widersachers Graf Albert III. von Bogen,
der kurz nach Ludwigs Amtsübernahme gegen ihn Krieg geführt hatte. Ludwig hatte bereits einige Zeit um die Hand
der schönen Witwe geworben, die in erster Ehe drei Söhne zur Welt gebracht hatte. Ludmilla soll der Überlieferung
nach dem Werben des Wittelsbachers lange wenig Interesse entgegengebracht haben, war er doch der Gegner ihres
verstorbenen Mannes gewesen. Doch Ludwigs Hartnäckigkeit scheint sie dann doch beeindruckt zu haben, sodass sie
ihn schließlich erhörte. Amüsant ist hierbei die Legende von den „Drei Rittern“: In ihrer Kemenate auf der Bogener
Burg soll Ludmilla Ludwig aufgefordert haben, ihr „bei den drei Rittern“ Liebe und Ehe zu geloben. Sie deutete
dabei auf einen Wandteppich, in den drei Rittergestalten eingewebt waren. Ludwig beeilte sich dies zu geloben
und wähnte sich damit am Ziel seiner Brautwerbung. Doch dann wurde der Teppich zur Seite geschoben und dahinter
standen der Legende nach drei wirkliche Ritter, drei bestellte Zeugen des Gelöbnisses. Dies empörte den stolzen
Herzog sehr, doch schon bald war seine Wut verflogen und er holte Ludmilla nach Kelheim, wo er sie ehelichte.
Zwei Jahre später, mittlerweile 35 Jahre alt, brachte sie einen gesunden Sohn zur Welt – den späteren Herzog
Otto II.
1204 gründete Ludwig auch die Stadt Landshut quasi als Bollwerk gegen den Bischof von Regensburg, dessen
Machtbereich nur wenige Kilometer flussabwärts von Landshut endete. In den Jahrbüchern des Geschichtsschreibers
Hermann, Abt des Klosters Niederaltaich, findet sich für das Jahr 1204 folgender Eintrag: „Lvdwicus dux Bavariae
castrum et oppidum in Landshvot construere cepit.“ (Ludwig, Herzog von Bayern, begann damit, Burg und Stadt in
Landshut zu bauen). Seine günstige Lage an der Isar und am Fuße des Hofberges machte Landshut genau zu dem, was
der Name bedeutet – ‚Hut des Landes‘, also Schutz des Landes.
Nach Ludwigs Tod machte sein Sohn Otto Landshut zur Hauptstadt des Herzogtums und als im Jahre 1242 der letzte
Bogener Graf, sein Halbbruder Albert IV., starb, kam die Grafschaft Bogen zum Herzogtum Bayern. Und mit der
Grafschaft kam auch das Bogener Wappen – die weißblauen Rauten. Diese schmückten von nun an neben den zwei
goldenen Löwen das Herzogswappen. Den goldenen Löwen der Pfalzgrafen bei Rhein führte Ludwig übrigens bereits
seit 1214 im Wappen. In diesem Jahr wurde er nämlich mit der Rheinpfalz belehnt, die bis ins 20. Jahrhundert
zu Bayern gehörte.
Inschrift über dem Porträt: Lvdovicvs Bav Dux Septem Vir (Ludwig, Herzog von Bayern, Mitglied des Kollegiums
der Sieben Kurfürsten)
Wappen unter dem Porträt: Links: Wappen von Ludwig (Herzogswappen), rechts: Wappen von Ludmilla (weißer Löwe
auf rotem Grund). Beide Wappen sind rätselhaft, da zu Zeiten von Ludwig I. die weißblauen Rauten noch nicht
im Herzogswappen waren, erst ab 1242. Und das Wappen von Böhmen (also Ludmillas Wappen) eigentlich einen
schwarzen Adler zeigte.
3 Herzog Ludwig II., der Strenge
Von Rita Engels
Ludwig II. „der Strenge“ war einer der prägendsten Herrscher der Dynastie der Wittelsbacher, dessen Leben und Wirken die Geschichte Bayerns entscheidend formten.
Er wurde am 13. April 1229 in Heidelberg als ältester Sohn des Herzogs Otto II. von Bayern und seiner Frau Agnes von der Pfalz geboren.
Schon früh war Ludwigs Leben von Politik und Macht geprägt. Nach dem Tod seines Vaters 1253 trat Ludwig II. gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich XIII. die Nachfolge als Herzöge von Bayern an. Bereits zwei Jahre später, 1255, kam es zur ersten bayerischen Landesteilung: Ludwig erhielt Oberbayern und die Pfalz bei Rhein, während Heinrich Niederbayern regierte. Unter Ludwigs Verwaltung von Oberbayern entwickelte sich München erstmals zur Residenzstadt – ein deutliches Zeichen seines Engagements für den Ausbau seines Herrschaftsbereichs.
Sein Beiname „der Strenge“ hängt mit einem der dramatischsten Ereignisse seines Lebens zusammen: 1256 war Herzog Ludwig in der Rheinpfalz auf Kriegszug. Dort erreichte ihn die Nachricht von der angeblichen Untreue seiner ersten Frau Maria von Braband-Lothringen. Ludwig ritt wütend nach Donauwörth und ließ noch in der Nacht seiner Ankunft auf Burg Mangoldstein seine Frau köpfen, ohne die Angelegenheit vorher zu klären. Diese Tat galt als ungeheuerlich selbst für die damalige Zeit und prägte nachhaltig Ludwigs Ruf. Später stellte sich heraus, dass seine Frau unschuldig war. In wahrer Buße stiftete er das Kloster Fürstenfeld bei Fürstenfeldbruck, um für sein Vergehen zu sühnen.
Seine zweite Ehefrau war polnischer Herkunft: Anna von Schlesien-Glogau, Tochter des Herzogs Konrad II. von Schlesien-Glogau. Sie starb im Jahre 1271 in München.
Ludwig war nicht nur ein strenger Herrscher mit einem tragischen Familiendrama, sondern auch ein kluger und politisch aktiver Fürst. Im Zuge der Neuordnung des Reiches nach dem Interregnum – der Phase ohne allgemein anerkannten König oder Kaiser zwischen etwa 1254/55 und 1273 – spielte er eine bedeutende Rolle. Er unterstützte Rudolf I. von Habsburg bei dessen Wahl zum König und heiratete später dessen Tochter Mathilde. Dadurch wurde er Teil eines Netzwerks dynastischer Allianzen, das die Habsburger mit den Wittelsbachern verband.
In seiner Funktion als Pfalzgraf bei Rhein gehörte Ludwig zu den bedeutendsten Reichsfürsten und zählte zu den Fürsten, die im 13. Jahrhundert traditionell an der Wahl des römisch-deutschen Königs – und damit indirekt des Kaisers – beteiligt waren. Diese Stellung stärkte seine Position im Reich nachhaltig und band ihn aktiv in die Reichspolitik ein. Besonders sichtbar wurde dies 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld, in der die Truppen Rudolf I. von Habsburg, unterstützt von Ludwig, den böhmischen König Ottokar II. entscheidend schlugen. Dieser Sieg sicherte nicht nur die habsburgische Königswürde, sondern stabilisierte auch die Machtverhältnisse in Mitteleuropa und festigte Ludwigs Einfluss im Reich.
Ludwig II. starb am 2. Februar 1294 in seiner pfälzischen Residenz Heidelberg. In seinem Testament bestimmte er, im von ihm gegründeten Kloster Fürstenfeld beigesetzt zu werden. Heute erinnert eine barocke Gedenkstatue in der Kirche an ihn, auch wenn sein genaues Grab nicht mehr eindeutig lokalisierbar ist.
Sein Erbe setzte sich fort: Sein Sohn Rudolf I. folgte ihm in der Regierung, und aus seiner dritten Ehe stammte Ludwig IV., der spätere Kaiser „Ludwig der Bayer“, der das Haus Wittelsbach noch weiter in den Mittelpunkt der Reichspolitik rücken sollte.
Am Landschaftshaus ist Ludwig II. „der Strenge“ in voller Größe dargestellt, den Reichsapfel vor dem Körper haltend. Dieses Herrschaftszeichen steht in der Tradition der römisch-deutschen Kaiseridee und symbolisiert christlich legitimierte Herrschaft sowie weltliche Macht. Im Mittelalter galt der Reichsapfel als Sinnbild der Herrschaft über das Reich oder einen Herrschaftsbereich unter Gottes Schutz. Auch wenn Ludwig selbst nie Kaiser war, verweist dieses Attribut auf seine herausgehobene Stellung als bedeutender Reichsfürst im Heiligen Römischen Reich.
Ludwig trägt eine knielange, kostbare Tunika mit darübergelegtem Mantel. Solche Gewänder waren dem hohen Adel vorbehalten und Ausdruck von Rang und Reichtum. Besonders der Pelz- beziehungsweise Hermelinbesatz unterstreicht die fürstliche Würde. Der schwere, gleichmäßig fallende Stoff verleiht der Figur Ruhe und Autorität.
Unterhalb der Figur befinden sich mehrere Wappenschilde, die als bildliches Programm seine dynastischen Verbindungen und politischen Bündnisse veranschaulichen. Im Zentrum stehen die weiß-blauen Rauten der Wittelsbacher, das Stammwappen Bayerns und Symbol seiner dynastischen Herkunft. Der pfälzische Löwe verweist auf Ludwigs Titel als Pfalzgraf bei Rhein. Der weiße Adler auf rotem Grund erinnert an das Königreich Polen und steht für seine zweite Ehe mit Anna von Schlesien-Glogau. Das rot-weiß-rote Bindenschild schließlich symbolisiert die dynastische Verbindung zu den Habsburgern durch seine Ehe mit Mathilde, der Tochter König Rudolfs I. von Habsburg, und betont damit die politische Nähe zum Königshaus.
Die Wappen unter seinen Füßen bilden das Fundament seiner Macht. Ludwig steht buchstäblich auf seiner Dynastie, seinen Territorien und seinen Bündnissen – eine bildliche Zusammenfassung seiner Stellung als einer der führenden Fürsten des Reiches.
4 Kaiser Ludwig der Bayer
Von Eugen Eder
Wenn einer sitzt und die anderen um ihn herumstehen, dann weiß man, wer das Sagen hat
– der Sitzende. Von den 30 Wittelsbacher Fürsten am Landschaftshaus gibt es nur einen,
der sitzend porträtiert wurde – Herzog Ludwig IV., besser bekannt als Ludwig der Bayer.
Er war der einzige Wittelsbacher im Mittelalter, der römischer Kaiser wurde. Und so ist
er auch abgebildet: auf dem Kaiserthron sitzend, die Krone auf dem Haupt, das Schwert in
der rechten Hand, den Reichsapfel in der Linken.
Ludwig wurde 1282 oder 1286 in München als Sohn von Herzog Ludwig dem Strengen geboren.
Aufgrund der verwandtschaftlichen Bande mit den Habsburgern wuchs er zeitweise am Wiener
Hof auf. Ludwigs dortiger „Spielkamerad“ war sein Vetter Friedrich der Schöne, der später
zu seinem Rivalen um den Königsthron werden sollte. In zwei Schlachten, 1313 bei
Gammelsdorf und 1322 bei Mühldorf, besiegte Ludwig seinen Habsburger Vetter und sicherte
sich damit zunächst die deutsche Königskrone und später auch die römische Kaiserkrone.
Bei Gammelsdorf wurde Ludwig von 500 Mann Fußtruppen aus Landshut unterstützt. Aus Dank
erlaubte er dann der Stadt drei Helme im Wappen zu führen.
In der Schlacht bei Mühldorf geriet Friedrich in Gefangenschaft. Ludwig soll seinen Vetter
mit den Worten empfangen haben: „Ich sah euch nie so gern wie heute.“ Für die folgenden
drei Jahre wurde Friedrich auf der oberpfälzischen Burg Trausnitz gefangen gehalten.
Durch sein Eingreifen in die politischen Verhältnisse in Oberitalien geriet Ludwig in
einen Konflikt mit dem Papst, der bis zu Ludwigs Tod 1347 andauerte. 1324 wurde er vom
Papst exkommuniziert, kurze Zeit später erfolgte der Kirchenbann über Ludwig. Normalerweise
hätte das sein Ende als König bedeutet, doch Ludwig behauptete sich: 1328 kam es in Rom zu
seiner Kaiserkrönung, die nicht durch den Papst, sondern das römische Volk vollzogen wurde.
Die päpstliche Seite war natürlich empört darüber und gab ihm als gezielte Herabwürdigung
den Beinamen „der Baier“ (Bavarus).
In der Folgezeit war Ludwig bemüht, die Wittelsbachische Hausmacht zu stärken. Obwohl
exkommuniziert war er dabei sehr erfolgreich: Wittelsbacher regierten zeitweise in Holland,
der Mark Brandenburg und in Tirol.
1346 wurde allerdings der mährische Markgraf Karl zum Gegenkönig gewählt. Der Kampf um die
Herrschaft blieb aber aus, da Ludwig im Folgejahr bei Fürstenfeldbruck auf der Bärenjagd in
Folge eines Schlaganfalls starb. Trotz seiner Exkommunikation wurde er in der Münchner
Marienkirche, dem Vorgängerbau der heutigen Frauenkirche, beigesetzt.
1622 ließen Landshuter Bürger eine aus Muschelkalk gehauene Skulptur von Ludwig mit
Reichsapfel, Krone und Zepter anfertigen. Bis 1835 stand die Skulptur vor dem Rathaus.
Nach einer kurzen Zeit am Regierungsplatz landete sie schließlich im Hofgarten. Hinter Bäumen
versteckt, blickt Ludwig der Bayer auf den Betrachter herab, allerdings in einer Nachbildung.
Das Original befindet sich in einem Depot des Stadtmuseums.
5 Herzog Ludwig V.
Bitte noch ein bisschen Geduld! In Kürze finden Sie hier detailierte Informationen zu Herzog Ludwig V..
6 Herzog Stephan II., mit der Hafte
Von Stefan Metzenauer
Stephan II., geboren 1319, gestorben im Mai 1375 in Landshut oder München, wird auch Stephan mit der Hafte oder lateinisch Stephan Fibulatus genannt. Der Beiname beruht wohl von einer auffälligen Haar- oder Kleiderspange, die Stephan getragen haben soll und die auch auf der Abbildung am Landschaftshaus zu sehen ist. Er war der zweite Sohn Kaiser Ludwig des Bayern aus dessen erster Ehe mit Beatrix von Schlesien-Schweidnitz und von 1347 bis zu seinem Tod Herzog von Bayern.
Um den Bund seines Vaters mit Sizilien zu stärken, hatte Stephan am 27. Juni 1328 Elisabeth von Sizilien geheiratet, eine Tochter König Friedrichs II. Daher findet man zu Füßen des Herzogs rechts auch das Wappen des Königreichs Sizilien.
Bei seinem Tod im Jahr 1347 hinterließ Ludwig der Bayer seinen sechs Söhnen ein großes Reich, das neben Bayern auch die Mark Brandenburg, Tirol und Teile von Holland umfasste. Er wollte, dass seine Söhne dieses Reich gemeinsam regierten, doch das funktionierte natürlich nicht lange. Nur zwei Jahre lang hatten Ludwigs Söhne das Herrschaftsgebiet ihres Vaters zusammen verwaltet, bevor sie im Herbst 1349 dessen Aufspaltung in Teilherzogtümer beschlossen. Oberbayern, Brandenburg und Tirol fielen an Ludwig V. den Brandenburger und dessen jüngere Brüder Ludwig VI. und Otto V., während Stephan II. mit seinen Brüdern Wilhelm I. und Albrecht I. Niederbayern und die Niederlande erhielt.
Im Regensburger Vertrag 1353 zerstückelte man das Herrschaftsgebiet dann noch weiter: Wilhelm I. und Albrecht I. erhielten die niederländischen Grafschaften und das „Straubinger Ländchen“. Stephan II. bekam den Süden Niederbayerns mit der Hauptstadt Landshut und begründete damit das Teilherzogtum Bayern-Landshut. Nach dem Tod seines Neffen Meinrad, der Oberbayern und Tirol besessen hatte, vereinigte Stephan 1363 Oberbayern mit Bayern-Landshut. Anschließend führte er zwei erbitterte Erbfolgekriege um Tirol und die Mark Brandenburg. Er erreichte, dass Bayern für die Abtretung Tirols (1369) und Brandenburgs (1373) die enorme Summe von ungefähr einer halben Million Gulden erhielt. Der Besitz der Bergwerke in den Herrschaften um Kitzbühel blieb erhalten und sollte im 15. Jahrhundert erheblich zum Reichtum der Landshuter Herzöge beitragen.
Stephan darf unter den Söhnen Kaiser Ludwigs als der Tüchtigste bezeichnet werden, doch im Kampf gegen Karl IV. und Rudolf IV. von Österreich vermochte er den Zerfall der Wittelsbacher Macht in Europa nicht aufzuhalten. Er starb Mitte Mai 1375 und wurde Johannes Aventinus zufolge in der Frauenkirche in München beigesetzt.
7 Herzog Albrecht I.
Von Monika Liebel
Albrecht I. wurde am 25.07.1336 in München als Sohn von Kaiser Ludwig dem Bayern und Margarethe von Holland geboren. Mit Albrechts Vater stellten die Wittelsbacher 1328 erstmals den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Albrecht war ein bedeutender Wittelsbacher Herzog, Graf von Holland, Hennegau, Zeeland, Herr von Friesland und mit seinem Bruder Wilhelm I. Mitbegründer der Linie Straubing - Holland.
1385 organisierte er die Doppelhochzeit von Cambrai, an der mehr als 20.000 Gäste teilnahmen. Es war ein politisches Großereignis des Mittelalters, bei dem Kinder der Häuser Wittelsbach aus der Linie Straubing - Holland und Burgund verbunden wurden. Zum einen war dies sein Sohn Wilhelm II. mit Margarete von Burgund, der Tochter Philipps des Kühnen, und zum anderen seine Tochter Margarete v. Bayern mit Johann Ohnefurcht, dem Sohn von Philipps d. Kühnen. Die Hochzeiten festigten die Beziehungen zwischen dem Haus Burgund und den Wittelsbachern.
Er selbst war zweimal verheiratet. Seine erste Frau war Margaretha von Brieg, mit Ihr hatte er sieben Kinder. Sie verstarb 1386. Seine zweite Frau war Margarete von Kleve. Diese Ehe blieb kinderlos.
Albrecht regierte die niederländischen Territorien nach dem Tod seines Bruders Wilhelm I. alleine. Trotz vieler Aufstände und Familienkonflikte konnte Albrecht die Gebiete für die Wittelsbacher Dynastie sichern. Er war ein wichtiger Mittelsmann in der europäischen Politik des späten 14. Jahrhunderts.
Am 13. Dezember 1404 verstarb Albrecht I. in Den Haag.
8 Herzog Wilhelm I.
Von Monika Liebel
Wilhelm I. wurde 1330 in Frankfurt am Main als Sohn des deutschen Kaisers Ludwig IV. und seiner Frau Margarete von Holland geboren.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1347 teilten dessen Söhne die Besitzungen der Wittelsbacher auf. Im Regensburger Vertrag vom 03.07.1353 erfolgte eine Teilung des Herzogtums Niederbayern: Wilhelm I. und sein Bruder Albrecht I. wurden Herzöge des Teilherzogtums Bayern - Straubing, zusammen mit den holländischen Territorien. Die Grafschaften Holland, Zeeland und Hennegau wurden durch die Heirat seines Vaters mit Margarete von Holland Wittelsbacher Herschaftsgebiet.Er nannte sich daher: Herzog von Bayern, Graf von Holland und Zeeland.
Wilhelm heiratete 1352 in London Matilda of Lancaster. Seine Regierungszeit war von inneren Konflikten geprägt, besonders von Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Adelsparteien in Holland. Da er Ende 1357 in einen unheilbaren Wahnsinn verfiel, wurde er in Quesnoy in Gewahrsam genommen.
Gegen seinen Willen wurde sein Bruder Albrecht ins Land geholt und 1358 als Statthalter der Niederlande offiziell anerkannt. Als Wilhelm I. 1389 in Quesnoy starb, hatte er nicht nur ein stattliches Alter erreicht, sondern seinem Haus eine solide Grundlage hinterlassen.
Er war kein ständig kriegslüsterner Eroberer, sondern eher der Typ Landesvater mit strategischem Weitblick. Und manchmal ist das ja die eigentliche Kunst: Nicht laut Geschichte zu machen, sondern lange genug zu bleiben, damit Geschichte überhaupt stattfinden kann.
9 Herzog Ludwig VI., der Römer
Von Lukas Spencer
Ludwig VI. kam als drittgeborener Sohn Kaiser Ludwigs des Bayern (1282/1286-1347) und als ältester aus der zweiten Ehe mit Margarete von Holland (1307/1310-1356) am 7. Mai 1328 in Rom zur Welt, als sich sein Vater dort zum Kaiser krönen ließ. Seinen Beinamen erhielt er nicht etwa aufgrund seines Geburtsortes, sondern da er der erstgeborene Sohn nach der Kaiserkrönung Ludwigs war.
Ludwig wurde in eine Zeit erheblicher politischer Spannungen hineingeboren. Sein Vater, Kaiser Ludwig IV. der Bayer, hatte 1322 in der Schlacht bei Mühldorf den Habsburger Friedrich den Schönen, seinen bedeutendsten Rivalen um die römisch-deutsche Königswürde, entscheidend geschlagen und befand sich damit auf dem Höhepunkt seiner Macht. Gleichwohl stand er weiterhin in einem langjährigen und zunehmend verhärteten Konflikt mit dem Papsttum, das seine Herrschaft nicht anerkannte. Zugleich verschärften sich die Spannungen zwischen den Wittelsbachern und den Luxemburgern, einem weiteren einflussreichen Königshaus im Reich. Nach dem Aussterben der Přemysliden hatten die Luxemburger die Herrschaft über das Königreich Böhmen übernommen. Johann von Luxemburg suchte seine dynastische Position zusätzlich zu stärken, indem er seinen Sohn Johann Heinrich bereits in jungen Jahren mit Margarete, der Erbtochter der Grafschaft Tirol, vermählte. Diese Ehe erwies sich jedoch als unglücklich, ebenso wie die luxemburgische Herrschaft in Tirol. 1341 verweigerte Margarete ihrem Gemahl nach einem Jagdausflug die Rückkehr auf die Burg Tirol und forderte ihn zum Verlassen der Grafschaft auf. Kaiser Ludwig nutzte die Situation entschlossen aus: Nachdem er Margarete bereits zuvor seine Unterstützung zugesichert hatte, veranlasste er die Heirat seines Sohnes, des Markgrafen Ludwig V. von Brandenburg, mit der Tiroler Erbtochter und schuf damit vollendete Tatsachen. Dieses Vorgehen führte zum endgültigen Bruch zwischen Wittelsbachern und Luxemburgern. Nach kanonischem Recht konnte eine bestehende Ehe ausschließlich durch ein kirchliches Verfahren und damit letztlich durch den Papst für nichtig erklärt werden. Die sogenannte „Tiroler Affäre“ verstärkte daher die Annäherung zwischen dem Papsttum und dem Haus Luxemburg. In diesem Zusammenhang entstand auch der aus gegnerischen Kreisen stammende Beiname „Maultasch“ ("Hure", "liederliches Weib") für Margarete. Nach der Wahl Papst Clemens’ VI. im Jahr 1342, eines engen Vertrauten des Luxemburgers Karl von Mähren, gewann die Forderung nach einer Neuwahl im Reich an Nachdruck, um Ludwig IV. zu ersetzen. Auf der Suche nach neuen Bündnispartnern bemühte sich der Kaiser 1335 um eine dynastische Verbindung mit dem polnischen Königshaus. Für seinen Sohn Ludwig den Römer wurde eine Heirat mit Elisabeth von Polen (1326–1361), einer Tochter König Kasimirs III. von Polen (1310–1370), in Aussicht genommen; dieses Eheprojekt kam jedoch nicht zustande. Stattdessen wurde ihm später die jüngere Königstochter Kunigunde versprochen, doch wurde diese Verbindung erst 1357 vollzogen. Kunigunde starb noch im selben Jahr. 1360 heiratete Ludwig in zweiter Ehe Ingeborg (1340–1395), eine Tochter Albrechts II. von Mecklenburg (1318–1379).
Politisch spielte Ludwig der Römer zunächst eine untergeordnete Rolle. Nach dem Tod Kaiser Ludwigs IV. im Jahr 1347 verwalteten dessen Söhne – Ludwig V. (1315–1361), Stephan II. (1319–1375), Wilhelm I. (1330–1389), Albrecht I. (1336–1404), Otto V. (1346–1379) und Ludwig VI. – das väterliche Erbe gemeinschaftlich. Erst im Landsberger Vertrag von 1349 erfolgte eine formelle Teilung der wittelsbachischen Besitzungen. Ludwig VI. erhielt dabei gemeinsam mit seinen Brüdern Ludwig V. und Otto V. die Herrschaft über Oberbayern, Brandenburg und Tirol. Diese Konstruktion erwies sich jedoch als wenig praktikabel. Im Luckauer Vertrag von 1351 überließ Ludwig V. die Mark Brandenburg und die Lausitz seinen Brüdern Ludwig VI. und Otto V., während er im Gegenzug Oberbayern fortan allein regierte. Ob Ludwig V. mit diesem Schritt in erster Linie eigene Schwierigkeiten lösen wollte – er stand bereits seit längerer Zeit in Konflikt mit dem märkischen Adel – oder ob er tatsächlich im Interesse seiner Brüder handelte, lässt sich aus den Quellen nicht eindeutig erschließen. Vertraglich blieb jedoch festgehalten, dass Ludwig VI. und Otto weiterhin erbberechtigt in Oberbayern waren. Umgekehrt behielt Ludwig V. zunächst das mit der Mark Brandenburg verbundene Kurrecht, das gemeinsam ausgeübt werden sollte. Eine entscheidende Neuordnung brachte schließlich das Jahr 1356: In der Goldenen Bulle legte Kaiser Karl IV. verbindlich fest, dass die Kurwürde und das Erzamt des Erzkämmerers untrennbar mit der Mark Brandenburg verbunden seien. Damit fiel das Kurrecht endgültig Ludwig VI. als brandenburgischem Markgrafen zu. Diese Stellung spiegelt sich auch heraldisch wider: Im Wappen Ludwigs erscheint zu seinen Füßen der märkische Adler – der rote Adler auf silbernem (weißem) Grund – als Zeichen seiner kurfürstlichen Würde.
Ludwig musste sich in Brandenburg gegen seinen Rivalen den „Falschen Woldemar“, einem Hochstapler, der von Karl IV. von Böhmen mit der Mark Brandenburg belehnt worden war, mehrfach behaupten. Der falsche Woldemar hatte sich 1348 dem Erzbischof von Magdeburg als der alte brandenburgische Markgraf Woldemar des bereits ausgestorbenen Geschlechts der brandenburgischen Askanier vorgestellt, obwohl dieser bereits seit 29 Jahren tot war. Woldemar gewann daraufhin schnell Anhänger, vor allem bei den fürstlichen Rivalen der Wittelsbacher, sodass er binnen weniger Wochen große Teile der Mark auf seine Seite bringen konnte. Karl IV. war der falsche Woldemar zur Schwächung der Wittelsbacher gerade recht gekommen, weshalb er den „Askanier“ 1348 mit der Mark Brandenburg belehnt hatte. Nachdem sich der Kaiser inzwischen mit den Wittelsbachern wieder geeinigt hatte, wurde Woldemar 1350 von Karl IV. fallen gelassen, als Betrüger entlarvt und Ludwig VI. erneut zum Markgrafen erhoben. Da der falsche Waldemar in vielen Teilen der Mark insbesondere beim Adel noch einen festen Anhang hatte, musste Ludwig der Römer mehrfach gegen seinen Konkurrenten in den Krieg ziehen. Die andauernden Auseinandersetzungen belasteten die brandenburgische Finanzlage erheblich. Ludwig war gezwungen, fortwährend Geld bei seinen Untertanen aufzunehmen – sei es durch Darlehen oder durch die Verpfändung landesherrlicher Einkünfte und Besitzungen. Zwar gelang es ihm schließlich, den „Falschen Woldemar“ endgültig zum Verzicht auf seine Ansprüche zu bewegen, unter anderem durch Verständigungen mit den wittenbergischen und anhaltinischen Askaniern. Doch war dieser Erfolg teuer erkauft: Für die Rückgabe besetzter Gebiete mussten hohe Entschädigungssummen zugesichert werden; zahlreiche Territorien blieben bis zur vollständigen Tilgung der Schulden als Pfand in fremder Hand. Erst 1355 konnte Ludwig auch die letzten drei noch vom Prätendenten gehaltenen Städte zurückgewinnen. Die finanziellen Belastungen der frühen Regierungsjahre sowie die daraus resultierenden Verpfändungen schwächten jedoch die Stellung der Wittelsbacher in Brandenburg dauerhaft. Diese strukturelle Schwächung wirkte selbst nach dem Tod Ludwigs des Römer fort, als sein Bruder Otto die Regierung übernahm. Als 1361 mit Dietrich von Portitz, der dem Kaiser treu ergeben war, ein neuer Erzbischof von Magdeburg gewählt wurde, ließ sich Ludwig dazu bestimmen, demselben auf drei Jahre die volle Verwaltung der Mark zu übertragen. Dies setzte den Machtverlust weiter fort.
Außerdem brach nach dem Tod Ludwigs V. und seinem Sohn Meinhard eine Spannung zwischen den beiden Markgrafen und ihrem älteren Halbbruder Stephan von Niederbayern aus, nachdem dieser entgegen der Wittelsbacher
Verträge Oberbayern und damit das Erbe Ludwigs und Ottos besetzte. Kaiser Karl IV. witterte eine Chance, den entstandenen Bruderzwist auszunutzen und versuchte in der Folge einen noch stärkeren Keil zwischen die Wittelsbacher
Brüder zu schlagen, indem er am Rande der Nürnberger Hoftage Ludwig dem Römer seine Unterstützung für die bevorstehenden Kämpfe gegen den Bruder zusicherte. Als Zeichen seiner vermeintlichen Freundschaft verlobte er zudem seine
jüngste Tochter mit dem abwesenden Otto, worauf Ludwig im Gegenzug, getäuscht über die wahren Motive des Kaisers, die Brandenburger Stände dem Kaiser huldigen ließ. Dass sich der Kaiser zu keinem Zeitpunkt an seine Versprechungen
hielt, belegt die Tatsache, dass er Herzog Stephan, der gegen die österreichischen Habsburger um Tirol kämpfte, sogar versicherte, die Markgrafen an der Verfolgung ihrer Erbansprüche auf Oberbayern zu hindern bzw. sie wenigstens
nicht dabei zu unterstützen. Der Kaiser hatte seine Ziele erreicht: Ludwig VI. enterbte seine bayerischen Brüder Stephan und Albrecht und ging sogar eine Erbverbrüderung mit Karl IV. ein, die ihm nach seinem und Ottos kinderlosem
Tode die Mark Brandenburg zusicherte. Es kam noch schlimmer: Die Brandenburger Wittelsbacher schlossen sogar 1364 ein Bündnis mit den österreichischen Habsburgern, die gegen Stephan um Tirol kämpften.
Von den kaiserlichen Versprechungen getrieben, verhinderte sein früher und kinderloser Tod im Alter von 36 Jahren (zwischen November 1364 und Februar 1365), dass er nicht schon zu Lebzeiten die gesamte Mark an Karl abtrat. Dies gelang dem Kaiser erst 1373 nach langen kriegerischen Auseinandersetzungen mit den bayrischen und brandenburgischen Wittelsbachern – Otto und Stephan hatten sich in der Zwischenzeit wieder versöhnt – gegen Zahlung von 500.000 Gulden.
10 Herzog Otto V., der Faule
Von Doris Danzer
Vielen wittelsbachischen Herzögen gab man Beinamen: Ludwig der Gebartete, Heinrich der Reiche oder Albrecht der Weise beispielsweise. Diese Bezeichnungen sollen ihre körperlichen Merkmale oder Charaktereigenschaften als Herrscher hervorheben. Besonders unglücklich traf es dabei Otto V. (1346-1379). Er wird „der Faule“ genannt. Wie kam es dazu?
Otto war von 1347 bis 1351 Herzog von Bayern, ab 1365 Markgraf von Brandenburg, Erzkämmerer und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Als jüngster Sohn von Kaiser Ludwig dem Bayern sollte er dessen großes Erbe weiterführen. Dies ist ihm nicht gelungen – im Gegenteil: Den damaligen wittelsbachischen Besitz, die Markgrafschaft Brandenburg, verkaufte er 1373 an seinen Schwiegervater Kaiser Karl IV. Die Mark war damit für die Wittelsbacher für immer verloren. Das wurde Otto schwer angelastet und mit seiner Faulheit begründet. Er habe sich leichtfertig seinem Schwiegervater gebeugt und sich mit dem Verkaufserlös – 500.000 Gulden – ein schönes Leben gemacht, wird ihm nachgesagt. Ein Standbild von ihm, das 1899 im Auftrag Kaiser Wilhelms II. für die sog. Siegesallee im Berliner Tiergarten geschaffen wurde, zeigt ihn dementsprechend als träge Gestalt mit hängenden Augenlidern. Wird dieser schlechte Ruf Otto tatsächlich gerecht?
Die Machtverhältnisse damals waren unglücklich. Mit dem frühen Tod des Vaters und des älteren Bruders Ludwig (der Römer) fehlten ihm wichtige Stützen. Kriegerische Auseinandersetzungen und die strategische Gewitztheit seines Schwiegervaters Karl IV. trugen dazu bei, dass Otto sich schließlich auf den Deal mit dem Verkauf der Mark Brandenburg einließ. Zudem blieb auch noch seine Ehe mit Katharina von Luxemburg kinderlos. Es heißt, er habe sich deswegen mit einer Müllerin eingelassen.
Hätte er die Mark Brandenburg halten können, wenn er weniger passiv gewesen wäre? Darüber darf spekuliert werden.
Jedenfalls: Nach dem Verlust Brandenburgs lebte er in Bayern, teilte sich dort zunächst mit seinem Bruder Stephan II. die Herrschaft, später mit dessen drei Söhnen, und verwaltete dabei vor allem Niederbayern mit Landshut. 1379, mit nur 33 Jahren, starb er auf der Burg Wolfstein bei Landshut. Sein Leichnam wurde im Kloster Seligenthal beigesetzt.
An der Fassade am Landschaftshaus wird Otto V. interessanterweise ohne jegliche Attribute dargestellt, die auf seine angebliche Faulheit hindeuten
würden. Im Gegenteil: Er trägt einen Kurhut als Zeichen seiner Kurfürstenwürde und hält Schwert und Zepter in den Händen. Die Inschrift über seiner Figur bezeichnet ihn als Otto den Großen von Bayern und Mark Brandenburg (OTTO MAGNUS DUX BAV. MARH: BRAND.). Zu seinen Füßen ist, ebenfalls mit dem Kurhut bekrönt, das kombinierte Herrschaftswappen der Wittelsbacher zu sehen. Es verweist auf ihre wichtigsten Titel: Der rote Adler auf Silber steht für die Mark Brandenburg, der schwarze Löwe auf Gold stellt den Pfälzer Löwen dar, das Stammsymbol der Kurpfalz-Linie der Wittelsbacher, die schwarz-goldene Schrägteilung mit Rautenschild steht für das Stammland Bayern und weitere geviertete Felder mit Löwen stellen dynastische Erweiterungen innerhalb der wittelsbachischen Besitzungen dar. Anders als bei den Wappendarstellungen vieler bayerischer Herzöge auf dem Landschaftshaus ist bei Otto V. das Wappen seiner Ehefrau nicht aufgemalt.
Insgesamt lässt diese Darstellung also vermuten, dass Otto V. seinen Beinamen „der Faule“ erst nach Fertigstellung des Wandgemäldes am Landschaftshaus im 17. Jahrhundert bzw. erst nach dessen Überarbeitung im 18. Jahrhundert erhalten hat: vielleicht im 19. Jahrhundert, im Zuge des damals aufkeimenden Nationalismus.
Übrigens: 1998 kamen bei Räumungsarbeiten im Keller eines Hauses nahe der St. Martinskirche in Landshut 50 Steinbruchstücke zum Vorschein. Wieder zusammengesetzt ergaben sie das Standbild eines Mannes mit weichen, zarten Gesichtszügen, in würdevoller Haltung. Die Entstehung dieser Wandstatue wird auf das späte 14. Jahrhundert datiert, sie war vermutlich an der Fassade der Frauenkapelle neben St. Martin angebracht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stellt sie Otto V. dar. Sie ist als Leihgabe des Vereins „Die Förderer“ heute im Besitz der Museen der Stadt Landshut.
Die sieben Tugenden
Von Gustav Adolf
Was machen die sieben Tugenden in einer Bilderreihe, gleich unter der Darstellung des Kaisers?
Ursprünglich entstammen sie einer Auflistung von schlechten Charaktereigenschaften - Untugenden - und wurden dann im Laufe der Zeit in positive Eigenschaften überführt.
Ihren Ursprung haben die sieben Tugenden in der antiken, genauer gesagt der griechischen Philosophie. Im Mittelalter wurden sie vom Christentum übernommen und in die christliche Ethik- und Morallehre von Papst Gregor I., dem Großen, (590 - 604) eingesetzt. Sie sollten von jeher den Menschen befähigen, die innere Harmonie zu erlangen, Gutes zu tun und sich geistig durch Übung und Vernunft zu entfalten und fortzuentwi¬ckeln mit dem Ziel, den sittlich vollkommenen Zustand als Grundlage menschlichen Handelns zu erlangen.
Gemeint waren dabei Glaube, Hoffnung und Liebe (im Christentum die drei göttlichen Tugenden) und Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung (die vier Kardinaltugenden). Letztere gehen unter anderem auf den griechischen Philosophen Platon (um ca. 500 v.Chr) zurück und und beziehen sich auf das Idealmaß, zwischen einem zu Wenig und einem Zuviel, also auf den goldenen Mittelweg. In Bildern werden auch passende Begriffe dieser Tugenden dargestellt. Sie sollten damals wohl dabei helfen, die junge attische Demokratie aufzubauen.
Nun der Hinweis auf die einleitende Frage über ihre Platzierung gleich unter dem Kaiser. Sie sollten das Volk - von höherer, ja höchster Stelle aus - dazu anregen, sich tugendhaft zu verhalten; was auch schon früher unter Gregor I. im sechsten Jahrhundert erfolgt war. Sein Auftrag dazu lautete:
"Malt die Kirchen aus, damit die Leute wissen, wie sie sich verhalten sollen!"
Dies diente dem Verständnis und Wissen um die biblischen Texte und schuf so die biblia pauperum, die Bibel der Armen, das bildliche, biblische "Lesebuch" der leseunkundigen Bevölkerung.
Die göttlichen Tugenden wurden in den Schriften des Hl. Paulus als von Gott in die Seele eingepflanzt betrachtet.
Aus der Sicht und der Zeit der Bemalung der Fassade sind das von links nach rechts gesehen:
1. Gerechtigkeit (iustitia) : Kennzeichen die Waage, Streben um Gerechtigkeit und Fairness im Umgang mit anderen. In der ägyptischen Mythologie wird das Herz eines Verstorbenen gegen eine Feder aufgewogen. Nur beim Gleichgewicht zwischen Herz und Feder (also bei absoluter Reinheit des Herzens und einem lauteren, gerechten Leben) konnte der Verstorbene in die Ewigkeit eintreten.
2. Wahrheit (veritas) und Klugheit (prudentia): diese sind die Fähigkeiten, das Richtige zu erkennen und daraus weise Entscheidungen zu treffen. Sie sind nicht nur Kalkül und Berechnung. (Woraus ziehe ich einen Vorteil?) Man soll die Realität nüchtern und ehrlich wahrnehmen, ohne Wunschdenken und Selbsttäuschung. Sie beziehen sich auf die Kunst, das Wesentliche - das Wahre - zu erkennen und vom Nebensächlichen zu trennen.
3. Glaube (creditas): er ist mehr als Überzeugung, er ist Vertrauen in das Gute, das oft sehr versteckt liegt. Er soll die Vernunft nicht ausschließen, sondern die Realität mit einbeziehen. Das Symbol dafür ist der Anker (hier das Kreuz). Er / es soll etwas festhalten im Glauben und innere Ruhe vermitteln.
4. Liebe (caritas): gilt als die größte und edelste Tugend. Dargestellt wird sie durch eine Frau mit zwei Kindern oder ein Herz. Sie steht für Reinheit und Vollkommenheit und zielt auf das Wohl des Anderen. Auch Hilfeleistung wird hier angesprochen.
5. Hoffnung (spes): drückt die Hoffnung auf das ewige Leben aus. Oft dargestellt mit einem Anker oder einem Zweig. Sie soll vor trügerischem Optimismus und Verzweiflung - Depression - bewahren. Sie richtet den Blick nach vorne: Die Hoffnung stirbt am Letzten.
6. Tapferkeit, Stärke (fortitudo): Standhaftigkeit und Mut, besonders in schwierigen und komplizierten Situationen, zu seinem Wort stehen. Das Festhalten an Erkanntem, aber nicht Sturheit. Dazu passt auch die Toleranz und der Mut zum Kompromiss.
7. Mäßigkeit (temperantia): Maßhalten in allen Lebensbereichen und Selbstbeherrschung, das Zuviel und Zuwenig zu erkennen und daraus das rechte Maß zu halten. Sie dient auch der Bekämpfung von Raffsucht und Gier.
[ In manchen Quellen findet man Reinheit (puritas) als 7. Tugend anstelle der Mäßigkeit. Es gibt eine Verbindung zwischen beiden, insbeson¬dere in moralischen, spirituellen und philosophischen Kontexten. Beide werden als Tugenden bezeichnet, die sich gegenseitig ergänzen und auf ein gelingendes, tugendhaftes Leben abzielen.]
Hier ist natürlich die Neuzeit besonders einzubeziehen. Wie kann man diese Tugenden heute verwirklichen - oder sind sie gar nicht mehr nötig in unserer heutigen vielfältigen und profanen Welt?
Und wie sieht es heute - 2026 - aus, in allen Bereichen unseres täglichen Zusammenlebens? Darüber lässt sich trefflich streiten.
Mittlere Reihe
1 Herzog Stephan III., der Kneißl
Von Gabriella von Nostitz
Stephan III wurde um 1337 geboren und starb am 25. September 1413 in Kloster Niederschönenfeld. Stephan war seit 1375 Herzog von Bayern, ab 1392 auch Herzog von Bayern-Ingolstadt und ab 1374 Reichslandvogt im Elsass und in Oberschwaben.
Stephan trägt die Beinamen „Der Kneißl“ oder „Der Prächtige“. Das Wort „Kneißl“ beschreibt einen kleinen, flinken und sehr agilen Mann. Trotz seiner geringen Körpergröße galt der Herzog als sehr ritterlich, beweglich und energisch. Wie sein Vater, Stephan II „mit der Hafte“, was soviel wie „Spange“ bedeutet, hatte auch er einen Beinamen, der sich auf ein Kleidungsstück bezog. „Der Prächtige“ beschreibt seine Vorliebe für kostbare Kleidung, Turniere und eine luxuriöse Hofhaltung, finanziert durch die immense Mitgift seiner Mailänder Frau Taddea Visconti. Mit seinem Sohn Ludwig soll er zudem die Tanzböden Münchens unsicher gemacht haben.
Das Bildnis von Stephan III. auf dem Landschaftshaus ist eine bewusste Darstellung seiner Herkunft, seines Herrschaftsanspruchs und seiner Bündnispolitik. So hält er einen Ringpanzerkragen mit Helm in der Hand. Das ist kein zufälliges Objekt, sondern ein Turnier-bzw. Ritterzeichen, ein klassisches Motiv für einen Fürsten, der sich als ritterlicher und kampferprobter Herrscher inszeniert. Zu seinen Füßen befinden sich 3 Wappen:
Oben in der Mitte das große geviertelte Wappen, das Wittelsbacher Wappen mit den bayerischen Rauten als Legitimation für den Herzog in Bayern.
Links unten sieht man eine Schlange bzw. einen Drachen. Das ist das berühmte Biscione, die Schlange der Visconti von Mailand, die ein Kind verschlingt oder aus deren Maul ein Mensch geboren wird (da gibt es unterschiedliche Interpretationen). Stephan III heiratet in erster Ehe Taddea Visconti, die bei der Eheschließung erst 15 Jahre alt war. Diese Ehe bringt großes Prestige, aber auch enorme Geldmittel aus Mailand nach Landshut als Grundlage für den Landshuter Glanzhof. Die Mitgift Taddeas in Höhe von etwa 100.000 Gulden, dazu noch kostbare Juwelen, Stoffe und weitere Sachwerte ,entsprach dem Jahresetat Bayerns zur damaligen Zeit.
Rechts unten befindet sich ein rätselhaftes Wappen mit Kreuz und vier Enden. Das ist kein Adelswappen sondern ein städtisches, territoriales Zeichen. Das Kreuz pattee, hier die Tatzenkreuz-Variante, wird im spätmittelalterlichen Bayern mehrfach als Zeichen der Stadt Landshut verwendet und taucht auch in Landshuter Wandmalereien, Siegeln und Grenzmarkierungen auf.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich hier um eine ausgesprochen elegante Bildformel handelt, die die Quellen der Macht Stephan’s III aufzeigt: Seine Dynastie - Bayern/Wittelsbach, seine Ehe - Mailand/Visconti und seinen Herrschaftssitz – Landshut.
Aus der Verbindung Stephan‘s III mit Taddea, die schon mit 30 Jahren verstirbt, gehen zwei Kinder hervor. Ludwig VII, der Gebartete (der „Bärtige“), er folgt seinem Vater als Herzog von Bayern-Ingolstadt nach, und die Tochter Elisabeth, welche den König von Frankreich Karl VI heiratet. Als Isabeau de Baviere , Königin von Frankreich, ist sie eine der einflussreichsten Frauen Europas ihrer Zeit.
Nach 40 Jahren als Witwer heiratete Stephan III Elisabeth von Kleve. Diese Ehe blieb kinderlos. Stephan III starb am 28.September 1413 in Kloster Niederschönenfeld bei Rain am Lech. 1430 ließ ihn sein Sohn Ludwig in die neuerbaute
Herrschaftskirche nach Ingolstadt überführen.
2 Herzog Friedrich, der Weise
Von Stefan Metzenauer
Friedrich der Weise, als zweiter Sohn von Herzog Stephan II. und Elisabeth von Sizilien um 1339 geboren, war nach dem Tod des Vaters von 1375 bis 1392 Herzog von Bayern und nach der Teilung von 1392 bis zu seinem Tod Herzog von
Bayern-Landshut. Er heiratete am 2. September 1381 Maddalena Visconti, eine Tochter des Mailänder Gewaltherrschers Bernabò Visconti. Daher findet man rechts unter dem Herzog auch das Wappen des Hauses Visconti, das die Geburt des
Menschen aus einer Schlange darstellt. Mit ihr hatte er fünf Kinder, darunter Heinrich XVI., der später der erste der reichen Herzöge von Bayern-Landshut werden sollte.
Die sechs Söhne von Ludwig dem Bayern, Friedrichs Großvater und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, hatten nach dessen Tod 1347 sein großes Herrschaftsgebiet, das neben Bayern auch Brandenburg, Tirol und Teile von Holland umfasste,
inhaltlich regelrecht zerstückelt. Sein Vater Stephan II. konnte 1363 zumindest Oberbayern wieder mit Bayern-Landshut vereinen und Friedrich regierte nach dem Tod seines Vaters 1375 zusammen mit Otto V. und seinen Brüdern Johann II.
und Stephan III. das Herzogtum Bayern. Aber 1392 war es mit der Eintracht der Brüder vorbei und Bayern wurde erneut aufgeteilt: In die drei Herzogtümer Bayern-Landshut, Bayern-München und Bayern-Ingolstadt. Friedrich wählte den geschlossensten und besten Teil, die niederbayerischen Gebiete mit Landshut. Der Rest wurde unter seinen beiden Brüdern Stephan III. und Johann verlost.
Der ehrgeizige und tatkräftige Friedrich war lange Zeit Berater König Wenzels in rechtlichen Fragen und galt als dessen aussichtsreichster Nachfolger. Seit 1387 kursierten Gerüchte, die Fürsten wollten den schwachen Wenzel absetzen und den diplomatisch bewanderten Friedrich mit den Regierungsgeschäften betrauen. Als Friedrich wieder einmal nach Böhmen reiste, um sich mit König Wenzel zu besprechen, ereilte ihn zu Budweis am 4. Dezember 1393 der Tod so rasch und unerwartet, dass es Gerüchte gab, er sei vergiftet worden. Sein plötzlicher Tod verhinderte, dass er seinem Großvater auf den Kaiserthron folgen konnte. Er wurde im Kloster Seligenthal in Landshut bestattet.
Inschrift über dem Porträt: Fridericvs Infer. Bav. Dux (Friedrich, Herzog von Niederbayern)
Wappen unter dem Porträt: Links: Wittelsbacher Herzogswappen, Rechts: Wappen der Mailänder Familie Visconti
3 Herzog Johann II.
Bitte noch ein bisschen Geduld! In Kürze finden Sie hier detailierte Informationen zu Herzog Johann II..
4 Herzog Wilhelm II.
Von Helmut Wartner
Herzog Wilhelm II von Bayern (1365-1417) ist auf dem Landschaftshaus in der 2.Reihe als vierter von links exponiert in Ritterrüstung dargestellt.
Er war Enkel Ludwig IV, des späteren Kaisers, der über ihm am Landschaftshaus thront.
Albrecht I., Wilhelms Vater, war seit dem Regensburger Vertrag von 1353 Herr des niederbayerischen Teils des Herzogtums und seit 1358 aufgrund
einer Geisteskrankheit seines Bruders Wilhelm I. auch Regent der niederländischen Territorien. Er residierte in Den Haag. Dort wurde vermutlich
auch 1365 sein Sohn geboren, der spätere Wilhelm II.
Vater und Sohn führten mit erheblichem finanziellen Aufwand, aber ohne eindeutiges Ergebnis eine Reihe von Feldzügen gegen die aufständischen Friesen,
die sich von Holland lossagen und direkt dem römisch-deutschen Kaiser unterstellen wollten.
Da Wilhelm am Mord an der holländischen Geliebten seines Vaters beteiligt war, musste er zunächst nach England und Frankreich fliehen, bevor er sich
1395 mit seinem Vater versöhnte und von ihm als Mitregent in Holland eingesetzt wurde. Sein Vater regierte fast 50 Jahre und erst nach dessen Tod 1404
übernahm er offiziell die Herrschaft im Herzogtum Niederbayern-Straubing und in den holländischen Besitzungen. Er blieb in Holland, wo es ihm aber
während seiner gesamten Regierungszeit nicht gelang, die bürgerkriegsartigen Zustände zu beenden und die Ordnung dauerhaft herzustellen. 1408 schlug
er gemeinsam mit seinem Schwager Johann Ohnefurcht und seinem Cousin die Erhebung der Lütticher gegen seinen Bruder Johann nieder, der versucht hatte,
Lüttich in ein weltliches Fürstentum umzuwandeln.
Dem herzoglichen Hof in Den Haag gab er kulturelle Impulse. So veranstaltete Wilhelm wie sein Vater vor ihm unter anderem Ritterturniere.
Trotz seiner Erfolge hatte Wilhelm auch mit einigen Problemen zu kämpfen. Die Friesen hatte er nie endgültig besiegt. Er intervenierte zwar erfolgreich auf
burgundischer Seite, konnte jedoch nicht verhindern, einen siebenjährigen Krieg mit Herzog Rainald von Geldern auszufechten. Auch wenn Wilhelm schließlich Herr
der Lage blieb, kam sein überraschender Tod am 31. Mai 1417 zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Er starb an den Folgen eines Hundebisses und wurde bis auf seine
Eingeweide wie seine Großmutter Margarethe und deren Vorfahren in der Kirche von Vallenciens in Frankreich beigesetzt.
(zitiert und inspiriert von Wikipedia)
5 Herzog Ludwig VII., der Gebartete
Von Stefan Metzenauer
Geboren vermutlich 1368, war er von 1413 bis 1443 Herzog von Bayern-Ingolstadt. Seine Mutter Taddea Visconti
war die Tochter des Mailänder Gewaltherrschers Barnabò Visconti, worauf viele sein hitziges Gemüt zurückführen.
Er war der Bruder der französischen Königin Isabeau de Bavière (Elizabeth von Bayern) und hielt sich daher häufig
am französischen Hof auf. Während seines Aufenthalts in Frankreich heiratete Ludwig Anna von Bourbon, eine Hofdame
seiner Schwester, die eng mit dem Königshaus verwandt war. Daher findet man links unter dem Herzog auch das Wappen
des Hauses Bourbon mit den drei goldenen französischen Lilien.
Entsprechend der französischen Mode trug er einen Bart, was für die bayerischen Fürsten damals so ungewöhnlich war,
dass man ihm den Beinamen „der Gebartete“ gab. Aufgrund der Geisteskrankheit seines Schwagers, des französischen
Königs Karl VI., wurde er de facto zum Regenten Frankreichs. Mit dem französischem Geld ließ er seine Residenzstadt
Ingolstadt prunkvoll ausbauen. Als Grabstätte für sich selbst ließ er das dortige Münster „Zur Schönen Unserer
Lieben Frau“ errichten. Und um sicherzustellen, dass ihm seine irdischen Sünden erlassen werden, sollten dort 1.000
„Pfründner“ (bezahlte Menschen) Tag und Nacht für sein Seelenheil beten. In Frankreich war man von der bayerischen
Fremdherrschaft nicht begeistert. Erst 1429 wurde diese mit Hilfe der berühmten Jeanne d’Arc, der Jungfrau von Orléan,
beendet.
Er war der Meinung, dass Ingolstadt bei der großen bayerischen Landesteilung 1392 benachteiligt worden war – vor allem
im Vergleich zu den anderen Residenzstädten Landshut und München. Sein eigener Vetter, der 20 Jahre jüngere Landshuter
Herzog Heinrich der Reiche, wurde daher zu seinem lebenslangen Todfeind. Beim Konstanzer Konzil im Jahr 1417 eskalierte
der Streit, nachdem Ludwig dort behauptete, Heinrich sei nur der Sohn eines Kochs. Für Heinrich war das eine
tödliche Beleidigung. Er griff Ludwig mit dem Schwert an und verletzte ihn schwer. Dass Ludwig seinen Widersacher nach
dem Mordversuch in Konstanz nur noch „pluethunt“ (Bluthund) nannte, trug sicher nicht zur Entschärfung des Konflikts bei.
Gestürzt wurde er letztendlich 1443 aber durch seinen eigenen Sohn, Ludwig den Buckligen. Dieser lieferte seinen Vater
im Anschluß an Heinrich aus, der ihn in Burghausen für sein restliches Leben inhaftieren ließ. Bald darauf verstarb jedoch der neue
Herzog mit erst 41 Jahren im April 1445, bereits zwei Jahre vor seinem gefangengenommenen Vater.
Damit endet mit dem Tod Ludwigs 1447 auch die Geschichte des Herzogtums Bayern-Ingolstadt. Gemäß der Wittelsbacher Erbfolge erhält
fast das gesamte Gebiet Ludwigs Erzfeind Heinrich der Reiche von Bayern-Landshut. Und begraben wurde er auch nicht im extra
erbauten Münster in Ingolstadt, sondern im Kloster Raitenhaslach bei Burghausen – gut, dass er das nicht mehr erleben musste.
Inschrift über dem Porträt: Lvdovicvs Barbatvs Bav. Super Dux (Ludwig der Gebartete, Herzog von Oberbayern)
Wappen unter dem Porträt: Links: Wappen des Hauses Bourbon (von seiner ersten Anna von Bourbon), Mitte: Wittelsbacher Herzogswappen,
Rechts: Wappen der Grafen von Mortain (von seiner zweiten Frau Katharina)
6 Herzog Heinrich XVI., der Reiche
Von Christian Baier
Heinrich wurde 1393 bereits im Alter von sieben Jahren Herzog des Herzogtums Bayern-Landshut, das bei der erneuten Teilung des Landes erst ein Jahr vorher (wieder) entstanden war. Sein Vater Friedrich der Weise war unerwartet verstorben und Heinrich war sein ältester Sohn.
Bis zu seinem 18. Lebensjahr 1404 stand er unter Vormundschaft seiner Münchner Verwandtschaft. Nach seiner Eigenständigkeit erließ er umgehend eine neue Verfassung, was zu Streit mit der Landshuter Bürgerschaft führte.
Dieser eskalierte in den Jahren 1408 und 1410 zu Bürgeraufständen, die Heinrich mit eiserner Hand niederschlug. Seine draufgängerische Art und Verwicklung in immer neue Kämpfe und Fehden trugen ihm sehr schnell den Ruf eines
kalten und harten Gewaltherrschers ein. Der Chronist Andreas von Regensburg nannte ihn gar einen “Pluetvergiesser” und Heinrich scheute selbst vor Gewaltanwendung gegen seine Wittelsbacher Verwandtschaft nicht zurück.
Beim Konstanzer Konzil zur Beendigung des abendländischen Kirchenschismas überfiel er am 17. April 1414 seinen Vetter Ludwig VII den Bärtigen von Ingolstadt, als dieser auf dem Heimweg von einer Konzilsversammlung war. Ludwig hatte vor den versammelten Fürsten behauptet, dass Heinrich einem Verhältnis seiner Mutter mit einem Koch entstammte, also nicht legitimer Erbe des Herzogtums sei. Heinrich floh und konnte nur durch Fürsprache anderer Fürsten der Reichsacht durch König Sigismund entgehen.
In der Folge kam es zu weiteren Streitigkeiten und handfesten Kriegen zwischen der herzoglichen Verwandtschaft. Mit Hilfe des Sohns seines Ingolstädter Rivalen kerkerte er Ludwig den Bärtigen 1446 in der Burghausener Burg bis zu dessen Tode ein. Das bedeutete das Ende des Teilherzogtums Ingolstadt und Heinrich konnte 1447 das gesamte Ingolstädter Territorium übernehmen.
Trotz seiner draufgängerischen Art führte er sein Herzogtum zur wirtschaftlichen Blüte und politischer Stärke. Heinrich herrschte mit harter Hand, straffte die Verwaltung und Bayern-Landshut entwickelte sich zum reichsten der bayerischen Herzogtümer, was nicht nur Heinrich, sondern auch seinen beiden Nachfolgern, seinem Sohn Ludwig und dem Enkel Georg, den Beinamen “der Reiche” einbrachte.
Sohn und Enkel erreichten jedoch nicht den Stellenwert, den Heinrich in der Geschichte einnahm. Heinrich galt schon zu Lebzeiten als sehr sparsam, um nicht zu sagen geizig, worunter seine Ehefrau Margarete von Österreich und die gemeinsamen Kinder sehr zu leiden hatten. Er gilt als Förderer der Kaufleute und unterstützte die jüdische Gemeinschaft der Stadt, auf die er als Finanziers seiner Politik angewiesen war. In Landshut verdanken wir ihm den Bau der Heiliggeist-Kirche und die Gestaltung des Dreifaltigkeitsplatzes, dessen Bebauung mit Häusern er 1410 beseitigen ließ, um am Fuß der Burg einen repräsentativen Platz entstehen zu lassen. Heinrich starb am 30. Juli 1450 vermutlich an der Pest und wurde in der Kirche des Klosters Seligenthal bestattet.
7 Herzog Ernst I.
Bitte noch ein bisschen Geduld! In Kürze finden Sie hier detailierte Informationen zu Herzog Ernst I..
8 Herzog Albrecht III.
Von Hans Wallner
Albrecht III. von Bayern München wurde am 27. März 1401 in München geboren.
Der junge Erbprinz verbrachte seine ersten zehn Lebensjahre zusammen mit seinen Eltern, Herzog Ernst und Herzogin Elisabeth sowie seinen Schwestern Beatrix, Elisabeth und Amalie im Alten Hof in München. Zwischen seinem 10. und 16. Lebensjahr wurde er am böhmischen Königshof in Prag in ritterliche Fertigkeiten und höfisches Leben eingeführt. Auch wurde er unterwiesen in Lesen, Schreiben, Rechnen und Religion. Und - er lernte fließend tschechisch sprechen. Am Königshof in Prag residierte König Wenzel und seine Gattin, eine Tante Albrechts. Albrecht gewann viele Gleichaltrige aus dem böhmischen Hochadel zu Freunden. Mit 16 kehrte Albrecht an den Münchner Hof zurück. Am 11. März 1424 schenkte ihm seine Mutter die Vohburg und er führte von nun an den Titel Graf von Vohburg.
1428 lernte er während eines Aufenthalts in Augsburg die schöne Agnes, „eines barbieres Tochter“ kennen. Albrecht verliebte sich unsterblich in sie und brachte sie auf sein Schloss in Vohburg. Die „Bernauerin“ wurde als überaus liebreizend beschrieben. 1432 heiratete Albrecht Agnes heimlich in Vohburg. Sein Vater Herzog Ernst war ob dieser nicht standesgemäßen Ehe empört. Für Albrecht hatte dies viele negative Folgen. Auf einem Turnier in Regensburg wurde Albrecht wegen der Bernauerin schimpflich in die Schranken verwiesen und sogar tätlich angegriffen. Er stand jedoch weiter zu seiner Agnes und stellte sie als künftige Herzogin vor. Die heimliche, jedoch legitime Heirat, löste letztendlich eine Tragödie aus.
Veit Arnpeck schrieb in seiner Bayerischen Chronik von 1495: „Herzog Ernst ließ ertrenken zu Straubing Agnes Pernauerin, eines Barbiers Tochter, eine wunderschöne Frau, die sein Sohn zur Eh’ genommen hatt, und das nicht widersprechen wollt, anno 1436 an Sant Maximilianstag. Solichs tät dem Suhn vast weh auf den Vater und ward des vast leidig. Es hett auch, so bald es geschah, den Vater hart gereuen. Sie ward herrlich begraben mit einem schönen Stein ob ihrem Grab, als doch ein Fürstin. Man sagt, dass sie so hübsch gewesen sei wann sie roten Wein getrunken hett, so hett man ihr den Wein in der Kehl hinab sehen gehen.“
Während eines Jagdaufenthalts von Albrecht bei seinem Vetter Heinrich in Landshut entführten die Häscher von Herzog Ernst Agnes aus Vohburg und brachten sie nach Straubing. Agnes wurde der Hexerei beschuldigt, verurteilt und in der Donau ertränkt. Als Albrecht von der Untat erfuhr, war er rasend vor Zorn. Er schwor Rache an seinem Vater, umgab sich mit Gefolgsleuten und verwüstete Teile von Niederbayern-Landshut. Durch Vermittlung von Unterhändlern fanden jedoch Vater und Sohn wieder zusammen. Für die nun plötzlich ehrsame Frau Agnes (die Baderstochter) wurde eine Grabkapelle auf dem Straubinger Petersfriedhof errichtet.
Am 21. Januar 1437, am Tag der heiligen Agnes, ehelichte Albrecht eine Tochter des Herzogs von Braunschweig. Aus dieser Ehe gingen 5 Söhne hervor, einer davon wurde der spätere Albrecht IV., „der Weise“. Albrechts, ab 1438 Herzog, (Regierungs-) Aktivitäten hielten sich in Grenzen.
Er wurde als friedliebend beschrieben und arbeitete sogar mit seiner niederbayerischen Verwandtschaft, den Herzögen Heinrich und Ludwig zusammen. Zudem war er ein Förderer der bayerischen Klöster (Stifter des Benediktinerkloster Andechs) und bekam sogar den Beinamen „der Fromme“.
Herzog Albrecht III. starb am 29. Feb. 1460 in München und wurde in der Klostergruft in Andechs bestattet. Ein Kenotaph zur Ehre des Verstorbenen befindet sich in der Frauenkirche in München.
Seine Geschichte mit Agnes Bernauer fasziniert bis heute Dichter, Schriftsteller und Historiker.
Bernauer Festspiele in Vohburg und in Straubing, ein Musikdrama (C. Orff) und eine Tragödie (F. Hebbels) halten die Erinnerung an Albrecht III. und nicht zuletzt an Agnes Bernauer wach.
Dass aus der 4-jährigen Ehe Albrechts und Agnes Kinder hervorgingen, ist nicht gesichert!
9 Herzog Ludwig IX., der Reiche
Von Ute Fischer-Gardner
Ludwig IX. der Reiche, Sohn Heinrichs des Reichen und dessen Gemahlin Margarete von Österreich, wurde am 23. Februar 1417 in Burghausen geboren. Dort wuchs er als einziger Sohn neben zwei Schwestern auf. Bereits mit 17 Jahren beteiligte ihn sein Vater an den Regierungsgeschäften und ließ ihn über Barschaften und Kleinodien verfügen. Gehorsam übernahm er die ihm übertragene Verantwortung seines strengen Vaters.
Nach dessen Tod erbte Ludwig den immensen Wohlstand, der sich größtenteils aus den Erträgen der Tiroler Silberbergwerke ergab und den er mit allen Mitteln zu vermehren wusste! 1452 heiratete er in einer prunkvollen Hochzeit Amalie von Sachsen, Tochter des sächsischen Kurfürsten. Nachdem Ludwig die Regierungsgeschäfte von seinem Vater übernahm, wehte „ein anderer Wind“.
Eine der gravierendsten Maßnahmen war die Vertreibung der Juden aus Landshut. Sie waren Darlehensgeber für die herzoglichen Räte und standen seit altersher unter dem Schutz des Kaisers. Doch Ludwig machte „seine Politik"! Er ließ alle Juden verhaften und zog sämtliche Schuldscheine ein. Nach einer Woche wurden sie der Stadt verwiesen, sofern sie sich nicht taufen ließen. Aus der Synagoge wurde die Dreifaltigkeitskirche, wodurch der Platz seinen Namen erhielt. Dieses Gebaren missfiel König Friedrich III., da er von den Schutzsteuerzahlungen der Juden profitiert hatte. Während der gesamten Regierungszeit herrschte ein gespanntes Verhältnis zwischen den beiden.
Ludwig zeigte sich als selbstbewusster und siegreicher Feldherr. Bei der Schlacht bei Giengen 1462 kämpfte er zusammen mit den Münchnern gegen den Brandenburger Kurfürst Albrecht Achilles, der Kaiser Friedrich III. zum Verbündeten hatte. Ludwig ging als Sieger hervor und stärkte damit seine Machtstellung.
Sein Auftreten war selbstbewusst, groß und mächtig. Er lebte äußerst prunkvoll, liebte opulente Feste und war ein leidenschaftlicher Turnierreiter. Das Harnischhaus in der Oberen Länd ließ er zu einer repräsentativen Stadtwohnung umgestalten mit Marstall, Kapelle und Sommerhaus.
Zusammen mit seinem Berater Kanzler Dr. Martin Mair setzte er 1472 einen lang gehegten Plan um: Er gründete die erste Bayerische Landesuniversität in Ingolstadt, die heutige Ludwig-Maximilian-Universität. Im Jahre 1800 wurde die Universität nach Landshut verlegt. Der Umzug nach München war 26 Jahre später.
In seinen letzten Lebensjahren litt Ludwig an Gicht, was seine Beweglichkeit stark einschränkte. Es war nun an der Zeit, private und politische Weichen zu stellen! Im Jahr 1475 verheiratete er seinen Sohn Georg mit der polnischen Königstochter Hedwig. Ein äußerst kluger Schachzug, da Polen eine Großmacht war! Diese Hochzeit war eine der prunkvollsten und aufwändigsten Hochzeiten des ausgehenden Mittelalters. Ludwig starb am 18. Januar 1479 und wurde in Seligenthal "zu den Gebeinen" seines Vaters Heinrich gelegt. Er hinterließ ein wirtschaftlich starkes und politisch mächtiges Herzogtum Bayern-Landshut.
10 Herzog Georg, der Reiche
Von Helga Nachtmann und Stefan Metzenauer
Ihn kennt wahrscheinlich jeder in Landshut: Herzog Georg der Reiche. Er war der Bräutigam bei der berühmten Landshuter Fürstenhochzeit von 1475 und wurde am 15. August 1455 in Burghausen als Sohn von Herzog Ludwig dem Reichen und dessen Gemahlin Amalia von Sachsen geboren. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1479 war er bis zu seinem eigenen Tod am 1. Dezember 1503 Herzog von Bayern-Landshut. Er war der dritte und letzte der drei „Reichen Herzöge“, die Bayern-Landshut im 15. Jahrhundert regierten.
Das Teilherzogtum Bayern-Landshut war zu dieser Zeit das wirtschaftliche Kraftzentrum der Region. Der Beiname „der Reiche” war dabei keine Übertreibung: Dank der ergiebigen Salzgewinnung in Reichenhall, florierender Silberbergwerke bei Kitzbühel und des fruchtbaren Gäubodens verfügte Georg über finanzielle Mittel, von denen Kaiser und Könige nur träumen konnten.
Am 14. November 1475 heiratete Georg die polnische Königstochter Hedwig. Dies war die berühmte „Landshuter Hochzeit“, eines der glanzvollsten Feste des Mittelalters. Fast der gesamte europäische Hochadel und natürlich auch Kaiser Friedrich III. (ein Habsburger) hatten sich dazu in Landshut eingefunden. Die Hochzeit war zudem politisch von großer Bedeutung, denn durch die Verbindung mit dem mächtigen Königreich Polen schloss das Heilige Römische Reich ein starkes Bündnis gegen die Macht der Osmanen in Osteuropa.
Gemeinsam mit Herzog Albrecht IV. von Bayern-München konnte Georg in den 1480er Jahren den Einfluss und die Macht der Wittelsbacher gegenüber den österreichischen Habsburgern gewaltig ausbauen. Als Albrecht IV. jedoch 1486 die Habsburgerin Kunigunde, Tochter von Kaiser Friedrich III., heiratete, begann der Umschwung. Während Albrecht 1493 mit Wilhelm IV. den lang ersehnten Thronfolger bekam, blieb die Ehe von Georg und Hedwig ohne männlichen Erben.
Entgegen den Wittelsbacher Erbgesetzen, wonach nur männliche Nachfolger erbberechtigt sind, setzte er seine Tochter Elisabeth als Erbin ein. Als Georg am 1. Dezember 1503 in Ingolstadt starb, beschwörte er damit den Landshuter Erbfolgekrieg zwischen Bayern-Landshut und Bayern-München herauf, der von 1504 bis 1505 zu schlimmen Verwüstungen in Niederbayern und schrecklichen Qualen vor allem in der bäuerlichen Bevölkerung führte.
Albrecht konnte mit Hilfe seines Schwagers Kaiser Maximilian I. den Krieg für sich entscheiden. Am 30.07.1505 wurden Bayern-Landshut und Bayern-München durch den „Kölner Schiedsspruch“ des Kaisers Maximilian I. zu einem Herzogtum vereinigt. Das Herzogtum Bayern-Landshut hörte damit auf zu existieren und der Habsburger Kaiser erhielt als Gegenleistung für seine Unterstützung die Tiroler Gebiete um Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg zugesprochen – kein guter „Deal“ für die Wittelsbacher und Bayern.
Untere Reihe
1 Herzog Albrecht IV., der Weise
Von Renate Dornecker
Am 15.12.1447 wurde Herzog Albrecht IV. als dritter von insgesamt fünf Söhnen Herzog Albrechts III. (dieser ging durch seine heimliche Ehe mit Agnes Bernauer in die Geschichte ein) in München geboren. Nach dessen Willen wurden seine beiden ältesten Söhne Johann und Sigmund zur gemeinsamen Regierung von Bayern-München bestimmt. Albrecht war für den geistlichen Stand vorgesehen und erhielt eine umfassende Ausbildung u.a. an der Universität Köln und in Pavia/Italien.
Als Johann 1463 starb, erstritt Albrecht die Mitregentschaft von Sigmund und überzeugte diesen zwei Jahre später mit Hilfe der Landstände, ihm das Herzogtum Bayern-München ganz zu überlassen. Auch gegen seine jüngeren Brüder Christoph und Wolfgang setzte er sich in den folgenden Jahren erfolgreich durch.
Als alleiniger Herzog von Bayern München agierte Albrecht in der Innenpolitik klug und maßvoll. Er förderte Kunst und Kultur, steigerte die Effizienz der Verwaltung, reformierte die Rechtsprechung, schritt gegen Missstände in den Klöstern ein, ging gegen soziale Härten der Hofmarksherren vor und machte Bayern zu einem der sichersten Länder Europas. Als Berater holte er sich humanistisch gebildete Männer.
Als machtbewusster und durchsetzungsstarker Herzog war es sein Bestreben, sein Herzogtum zu erweitern und die jahrhundertelange Zersplitterung Bayerns zu beenden. 1486 heiratete er die Habsburgerin Kunigunde, Tochter von Kaiser Friedrich III. und Schwester des zukünftigen Kaisers Maximilian I. Die Zustimmung zur Hochzeit bekam das Paar zunächst nicht. Diese Ehe war Teil des vorausschauenden Taktierens Albrechts. Mit Kunigunde an seiner Seite konnte er nicht nur sein Ansehen mehren, sondern die Ehe mit ihr beinhaltete auch die Hoffnung auf einen späteren Anspruch auf die Habsburger Erblande. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor.
Als im Jahr 1503 sein Vetter Georg der Reiche von Bayern Landshut ohne männlichen Erben starb und dieser, entgegen dem Wittelsbachischen Hausvertrag, seiner Tochter Elisabeth und seinem Schwiegersohn Rupprecht von der Pfalz das Erbe überschrieben hatte, kam es zum Landshuter Erbfolgekrieg, der ganz Bayern in tiefe Not stürzte. Albrecht konnte mit Hilfe seines Schwagers Kaiser Maximilian I. den Krieg für sich entscheiden. Am 30.07.1505 wurden Bayern-Landshut und Bayern-München durch den „Kölner Schiedsspruch“ des Kaisers Maximilian I. zu einem Herzogtum vereinigt. Um die Einheit Bayerns nach Jahrhunderten der Teilungen in Zukunft zu wahren, erließ Albrecht IV. 1506 das Primogeniturgesetz, wonach das Land unteilbar an den erstgeborenen Sohn vererbt werden sollte. Mit diesem Erlass legte er die Grundlage für stabile Erb- und Machtstrukturen und eine dauerhafte politische Stabilität Bayerns. Nicht zuletzt deshalb gab man ihm den Beinamen „der Weise“. Er gilt als einer der bedeutendsten Herrscher aus dem Hause Wittelsbach.
Albrecht IV. verstarb am 18.03.1508 in München, wo er mit großem Pomp im Dom beigesetzt wurde.
2 Herzog Christoph
Von Renate Dornecker
Die Landshuter kennen ihn alle als bayerischen Turnierritter bei der „Landshuter Hochzeit“. Wenn er mit den weißblauen Rauten auf der Brust und
den weißblauen Streifen auf der Schabracke seines Pferdes auf den Turnierplatz einreitet, fliegen ihm alle Herzen zu.
Auch im echten Leben (06.01.1449 bis 08.08.1493) wurde er wegen seines Mutes und seiner außergewöhnlichen Stärke als Held bewundert. Unter anderem
auch wegen der Geschichte, nach der er, als Gast bei der Hochzeit Herzog Georg des Reichen von Bayern-Landshut und der polnischen Königstochter Hedwig,
einen mächtigen polnischen Woiwoden im Turnier besiegt haben soll. An seine Stärke erinnert heute noch ein schwerer Stein in der Residenz München,
den er werfen konnte. Als Draufgänger, der er wohl war, forderte er über lange Jahre hinweg von seinem Bruder Albrecht IV. die Mitregentschaft im
Herzogtum Bayern-München. Dabei scheute er auch vor Waffengewalt nicht zurück. Er schloss sich einer Gruppe von aufrührerischen, gewalttätigen
Rittern aus dem Bayerischen Wald an, die sich die „Böckler“ nannten und für sich die Reichsunmittelbarkeit erkämpfen wollten. Weil Albrecht einen
Überfall seines Bruders Christoph befürchtete, ließ er ihn in einer Münchner Badestube gefangen nehmen und für 18 Monate in einem Turm der Neuen Veste in München festsetzen. Als er entlassen wurde, kam es wieder zu heftigen Auseinandersetzungen der Brüder, die aber zugunsten Albrechts endeten. Im Jahre 1493 versöhnten sich die Brüder und Christoph überschrieb sein Erbe den Kindern Albrechts.
Der Überfall im Jahre 1482 auf den Grafen von Abensberg, den der Graf nicht überlebte, mag der Grund für Christophs Pilgerreise ins Heilige Land
gewesen sein. Auf der Rückreise erkrankte er und starb auf Rhodos, wo er seine letzte Ruhe fand.
3 Herzog Wilhelm IV.
Von Sieglinde Brams
Elegant und würdevoll präsentiert sich Herzog Wilhelm IV. am Landschaftshaus. In Samt und Brokat gekleidet, ganz der Mode der Renaissance verpflichtet, tritt er dem Betrachter selbstbewusst entgegen. Mit seiner linken Hand greift er auf Brusthohe an den Besatz seines Mantels und deutet dabei auf sich selbst – eine Geste, die seine fürstliche Autorität unterstreicht. Man schreibt ihm Frömmigkeit, Gerechtigkeitssinn und eine hohe Bildung zu.
Unbestritten gilt er als bedeutender Förderer von Kunst und Kultur. Zu den Künstlern, die er beauftragte, zählten unter anderem Albrecht Altdorfer, Barthel Beham und Hans Mielich. Mit seiner umfangreichen Gemäldesammlung legte er den Grundstein für die heutige Alte Pinakothek. Auch die Geschichte des Bayerischen Staatsorchesters nahm mit der Berufung des Komponisten Ludwig Senfl ihren Anfang. Zudem ließ Wilhelm mehrere Schlösser, darunter Dachau und Starnberg, im Stil der Renaissance ausbauen.
Wilhelm liebte gutes Essen, die Jagd und Turniere; er gilt als der letzte Wittelsbacher Herzog, der selbst Turniere focht. Aus dem anfangs eher unbeholfenen jungen Fürsten entwickelte sich ein kluger und gewandter Regent.
Wilhelm IV., genannt der Standhafte, wird am 13. November 1493 als ältester Sohn von Herzog Albrechts IV. und Kunigunde von Österreich in München geborgen. Sein Beiname verweist auf seine unbeugsame Haltung – insbesondere als entschiedener Gegner der Reformation.
Nach dem Tod seines Vaters übernahm Wilhelm zunächst allein die Regierung. Das von seinem Vater erlassene Primogeniturgesetz sollte die Alleinherrschaft des Erstgeborenen sichern, scheiterte jedoch am Widerstand seines jüngeren Bruders Ludwig. Noch bevor es zum befürchteten großen Zerwürfnis zwischen den Brüdern kam, einigten sie sich auf eine gemeinsame Politik. Wilhelm residierte in München, wo er vom Alten Hof in die Neuveste - heutige Residenz – umzog, während sein Bruder von Landshut aus die Bezirke Landshut und Straubing regierte. Obwohl sie formal gemeinsam herrschten, nahm Wilhelm mit den Bezirken München und Burghausen die führende Rolle ein.
Gemeinsam erließen sie im April 1516 die neue Bayerische Landesordnung. Eine Regelung darin ist bestens bekannt: das sogenannte „Bairische Reinheitsgebot“, das Preis und Inhaltsstoffe des Bieres festlegte.
Nach mehreren gescheiterten Heiratsplänen vermählte sich Wilhelm am 5. Oktober 1522 mit Maria Jakobäa von Baden. Unter seinem Porträt am Landschaftshaus ist zum einen das Wittelsbacher Herzogswappen, zum anderen das badische Wappen seiner Frau dargestellt. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Aus einer außerehelichen Beziehung stammte zudem sein Sohn Georg von Hegnenberg, den Wilhelm zeitlebens unterstützte.
Wilhelm besaß den Ehrgeiz, Bayerns Position gegenüber den Habsburgern zu stärken. 1534 kam es im Linzer Vertrag zu einem Friedenschluss mit dem Haus Habsburg, besiegelt durch die Heirat seines Sohnes Albrecht mit einer Tochter König Ferdinands.
Kirchlichen Reformbewegungen begegnete Wilhelm zunächst mit gewissem Verständnis, wandte sich jedoch bald entschieden gegen jede Abkehr von der katholischen Einheit. Nach dem Wormser Edikt von 1521 ging er streng und konsequent gegen lutherische Lehren vor, ließ zahlreiche Anhänger ausweisen und ordnete angeblich auch eine Hinrichtung an. Auf Anraten seines schlauen Beraters Leonhard von Eck berief er 1542 die Jesuiten nach Bayern, die sich schließlich ab 1549 endgültig niederließen.
Am 7. März 1550 starb Wilhelm IV. in München. Da sein Bruder Ludwig unverheiratet und ohne Erben vor ihm verstorben war, ging die Alleinherrschaft an seinen Sohn Albrecht V. über.
4 Herzog Ludwig X.
Von Linda Kurzweil-Vankova
Im 16. Jahrhundert war Landshut ein Zentrum von politischer und kultureller Bedeutung, maßgeblich geprägt durch die Herrschaft Herzog Ludwigs X. Als letzter bayerischer Herzog, der fest in Landshut residierte, gestaltete er nicht nur die Geschichte Bayerns, sondern hinterließ auch in der Kunstwelt bleibende Spuren. Unter seiner Regentschaft erlebte die Stadt eine Blütezeit, die den Geist der Renaissance direkt an die Isar holte.
Nach dem Ende des Landshuter Erbfolgekriegs im Jahr 1505 regierte Albrecht IV. das wiedervereinigte Herzogtum Bayern. Um künftige Zersplitterungen zu vermeiden, erließ er 1506 das Primogeniturgesetz: Fortan sollte allein der erstgeborene Sohn die Regierungsgeschäfte führen. Demnach war eigentlich Wilhelm IV. als alleiniger Erbe vorgesehen. Doch Ludwig X. erhob Einspruch: Da er vor Inkrafttreten der neuen Ordnung geboren worden war, pochte er auf sein Recht auf Mitregentschaft. Nach intensiven Machtkämpfen einigten sich die Brüder 1514 auf einen Kompromiss: Während Wilhelm in München regierte, zog Ludwig nach Landshut und übernahm die Leitung des niederbayerischen Teilherzogtums.
Ludwigs Regierungszeit fiel in die Epoche der Renaissance – eine Zeit des geistigen Umbruchs und der kulturellen Erneuerung. Diese war geprägt von einer neuen Lebensfreude, einem intensiveren Interesse an den Wissenschaften und Künsten sowie dem Aufstieg des Individuums. Inspiriert durch seine humanistische Bildung und sein ausgeprägtes Interesse an den Wissenschaften, orientierte sich der Herzog an den Idealen der Antike. Sein Ziel war es, Landshut zu einem glanzvollen Zentrum der Künste zu formen.
Ein eindrucksvolles Symbol des kulturellen Aufstiegs der Herzogsstadt ist die Landshuter Residenz. Als einer der ersten Paläste im italienischen Renaissance-Stil nördlich der Alpen ist sie bis heute das wichtigste steinerne Zeugnis für Ludwigs Leidenschaft für Kunst und Architektur. Während seiner Regierungszeit verpflichtete er eine Vielzahl einheimischer Meister, darunter den Maler Hans Wertinger, den Bildschnitzer Hans Leinberger und den Goldschmied Ambrosius Gemlich. Später beauftragte er auch Künstler aus anderen Regionen, etwa den Nürnberger Maler Barthel Beham oder den holländischen Künstler Hermann Posthumus.
Über drei Jahrzehnte, von 1514 bis 1545, lenkte Ludwig X. die Belange seiner Residenzstadt und machte sie zu einer bedeutenden Metropole in Mitteleuropa. Mit seinem Tod am 22. April 1545 endete die Ära der Landshuter Herzöge. Da er zeitlebens unverheiratet blieb und keine legitimen Erben hinterließ, fiel sein Herrschaftsbereich zurück an seinen Bruder Wilhelm, der in München residierte. Seine letzte Ruhestätte fand der letzte „Landshuter“ Wittelsbacher, der den Glanz der Renaissance nach Niederbayern brachte, im Kloster Seligenthal, wo uns sein Grabmahl bis heute an ihn erinnert.
5 Herzog Ernst, Bischof von Passau
Von Heike Holzapfel
Ob der Papa wirklich zu seinen beiden jüngeren Söhnen gesagt hat: „Und ihr werdet Pfarrer!“? Das ist vielleicht nur eine nette Stadtführergeschichte.
Sicher aber ist, dass das Primogeniturgesetz von 1506 des bayerischen Herzogs Albrecht IV. den Weg zur Regentschaft eines Teilherzogtums für jeden
nachgeborenen Sohn verbaute. Keine Teilung mehr, kein Bruderkrieg mehr wie der Landshuter Erbfolgekrieg, der blutig, schrecklich und sehr teuer war. Das
(wieder-)vereinigte wittelsbachische Bayern würde der Älteste regieren, Wilhelm IV. Der mittlere Sohn, Ludwig, wehrte sich gegen das Gesetz, war er
doch schon geboren, als es gemacht wurde. Der Anspruch auf einen Teil Bayerns war also schon erfolgt und nicht durch ein Gesetz wieder entfernbar. Die
Mutter, Kunigunde, unterstützte ihn wohl, soll sie doch getobt haben, als ihre beiden jüngeren Söhne keine Herzöge mehr sein sollten, sondern Grafen.
Aus unserer fernen Sicht scheint das keine große Rolle zu spielen, aber auch ein unehelicher Sohn eines Herzogs wurde gerne mal zum Grafen gemacht.
Und so soll die Gattin des Primogeniturgesetzgebers deutlich gemacht haben: „Ich habe Herzöge geboren, keine Grafen!“. Eheliche Buben, keine illegitimen.
Ludwig, der mittlere, hat die Mitregentschaft durchgesetzt, war also auch Herzog, und hat den Landshutern die Stadtresidenz beschert, einen damals
sensationell anderen Bau, ein Palazzo, wie man ihn nur südlich der Alpen kannte. Wir sind ihm heute noch dankbar dafür!
Zurück zum jüngsten der Brüder: Gebildet durch Aventinus, dem berühmten bayerischen Geschichtsschreiber, herumgekommen durch Reisen nach Italien, nach Paris,
auch in Sachsen war er wohl. Student an der einzigen bayerischen Universität in Ingolstadt obendrein. Üblich war es durchaus, dass einer der nachgeborenen
Söhne in den geistlichen Stand trat. So beugte sich Ernst dem väterlichen Willen, den Gepflogenheiten seiner Zeit oder auch einer religiösen Berufung. Wer weiß.
Von einer großen Hochzeit lässt sich bei ihm also nicht berichten. Aber geheim verheiratet war er mehrmals. Ein Mann seines Standes wurde aber „natürlich“ nicht
Landpfarrer in einer zugigen Dorfkirche. Nicht mal Pfarrer in St. Martin in Landshut, Zu unserer Lieben Frau in München oder Zur Schönen unserer Lieben Frau in
Ingolstadt. Alles Kirchen, die wir heute noch bestaunen und die Ernst und seine Zeitgenossen bestimmt auch schon beeindruckt haben. Einer wie er, der würde ein
Bischof sein.
Schon jung, ab 1517, war er das auch fast. Bischof von Passau. Aber – ein Bischof, sei er auch noch so adlig, muss doch zum Pfarrer geweiht sein. Und das ist nicht
geschehen. Ist er zurückgeschreckt vor einer endgültigen Entscheidung, fürchtete er die Weihe, hatte er keine Lust? So war er Administrator im Bistum Passau, kein
Bischof, aber so gut wie. Fürstlicher Chef des Bistums Passau. Luther und seine Gedanken sickerten in seine Zeit, ein Problem für die katholischen Bistümer.
Administrator, also designierter Erzbischof von Salzburg, wurde Ernst 1540 unter der Auflage, sich binnen 10 Jahren (!!) nun endlich zum Priester weihen zu lassen.
Der wiederholten päpstlichen Aufforderung folgte er nicht, 1554 entschloss sich Ernst schließlich zum Rücktritt und damit zum Ende seiner geistlichen Karriere. In
Folge beschloss das Salzburger Domkapitel, dass künftig weder ein bayerisches noch ein österreichisches Mitglied der Herrscherfamilie Fürsterzbischof werden dürfe.
Man hatte offenbar genug von einem Bischof, der keiner sein konnte, weil er sich hartnäckig gegen die Priesterweihe stemmte.
Schon zuvor hatte Ernst die Grafschaft Glatz in Böhmen gekauft, die er an seinen von Papst Julius III. legitimierten Sohn Eustach weiterreichte. Ernst von Bayern
starb am 7. Dezember 1560 in Glatz und wurde dort begraben. 1569 erfolgte die Umbettung in die Frauenkirche in München.
6 Herzog Albrecht V.
Von Sieglinde Brams
„ALBERTUS SUPER ET INFER BAVAR DVX“ – in Großbuchstaben prangt diese Inschrift über seinem Porträt. Übersetzt bedeutet sie: „Albrecht, Herzog von Ober- und Niederbayern“. Albrecht V. war der erste bayerische Herzog, bei dem das bereits 1506 erlassene Primogeniturgesetz tatsächlich zur Anwendung kam.
Albrecht war weit weniger ein Mann der Politik als vielmehr ein bedeutender Kunstmäzen und visionärer Förderer, der München entscheidend auf dem Weg zur Stadt der Künste und Wissenschaften prägte. Unter seiner Ägide wurden zentrale kulturelle Institutionen begründet, darunter die Bayerische Staatsbibliothek, die Staatliche Münzsammlung München, das Antiquarium sowie die heutige Alte Pinakothek. Zudem versammelte Albrecht herausragende Künstler seiner Zeit an seinem Hof: Er förderte unter anderem Hans Mielich und gewann mit Orlando di Lasso einen der bedeutendsten Musiker der Renaissance für München.
Die Kunstsinnigkeit bekam er bereits von seinen Eltern in die Wiege gelegt. Als Sohn des Herzogs Wilhelm IV. von Bayern und Jacobaea Maria von Baden wurde er am 29. Februar 1528 in München geboren. In streng katholischem Geist erzogen, nahm er bereits im Alter von zwölf Jahren ein Studium an der Universität Ingolstadt auf. Am 4. Juli 1546 vermählte er sich im Alter von achtzehn Jahren in Regensburg mit Erzherzogin Anna von Österreich, der Tochter des damaligen Königs und späteren Kaisers Ferdinand I. Anna teilte die Leidenschaft ihres Gemahls für die Kunst und setzte sich an seiner Seite – wie auch über seinen Tod hinaus – für deren Förderung ein.
Bevor Albrecht im Jahr 1550 die Regierung in München übernahm, verbrachte er die ersten Jahre seiner Ehe mit seiner Gemahlin auf der Burg Trausnitz in Landshut. Dort wurden auch ihre Söhne Wilhelm und Ferdinand geboren.
Zu Beginn seiner Regierungszeit schlug er einen gemäßigten Kurs gegenüber dem protestantischen Glauben ein. Später galt er jedoch als strenger Vertreter der Gegenreformation. Adlige, die sich dem protestantischen Glauben zuwandten, wurden vom Landtag ausgeschlossen. 1555 setzte er durch, dass nur der Herzog über die Religion bestimmen konnte. Protestantisch konvertierte Gläubige wurden aus dem Lande verwiesen, es sei denn, man wechselte wieder zum katholischen Glauben. Unter Albrechts Einfluss wurde einerseits aus dem Kleinstaat Bayern ein europäisch bedeutender Staat, andererseits schnitt er sich durch seine Religionspolitik vom protestantisch gläubigen Teil des Landes ab.
Albrecht unterstützte, festigte und förderte die katholische Kirche. Mit Hilfe der Jesuiten wurde das Schulwesen neuorganisiert und streng katholisch gestrafft. Er übertrug ihnen die Führung der Universität Ingolstadt und holte sie schließlich 1559 auch nach München.
Seinen Beinamen „Magnanimus - der Großmütige“ erhielt Albrecht V. aufgrund seiner großzügigen Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft und seiner großen Sammelleidenschaft. Dies machte München zwar zu einem bedeutenden Zentrum der Künste und Wissenschaft, gleichzeitig führte es auch zu erheblichen finanziellen Belastungen und hohen Schulden.
Nach dem Tod Albrechts V. am 24. Oktober 1579 trat sein Sohn Wilhelm V. die Nachfolge an.
Zu seinen Füßen am Landschaftshaus befindet sich das Bayerische Staatswappen von 1835 (wobei der zweite Löwe blau sein müsste). Vermutlich wurde es im Zuge der Restaurierungsmaßnahmen im Jahre 1862 angebracht und ersetzte das weiß-blaue Rautenwappen, das auf einem Kupferstich von 1723 an der Stelle noch deutlich zu erkennen ist.
Das hervorgehobene und im Vergleich große Wappen nimmt dabei keinen Bezug auf die dargestellte Person als vielmehr auf das darunterliegende Portal; gemeinsam mit den gemalten Säulen bildet es eine wirkungsvolle architektonische Rahmung des Eingangs. Die ursprünglichen Familienwappen Albrechts und seiner Gemahlin Anna sind hingegen nicht mehr erhalten.
7 Herzog Ernst, Erzbischof von Köln
Von Margit Schuster
Ernst von Bayern wurde am 17.12.1554 in München geboren und war der jüngste Sohn von Herzog Albrecht V. von Bayern und dessen Frau Anna von
Österreich. Sein Bruder war Herzog Wilhelm V.
Schon früh für den geistlichen Stand bestimmt, wurde er von Jesuiten in Ingolstadt und Rom ausgebildet.
Trotz jugendlicher Skandale wurde er bereits 1566 zum Bischof von Freising ernannt. Er war dafür bestimmt, sich dem Protestantismus entgegenzustellen
und die Macht des Hauses Wittelsbach zu erweitern.
Am 22.05.1583 wurde er zum Erzbischof von Köln gewählt, nachdem sein Vorgänger zur protestantischen Religion übergetreten war. Er setzte,
mit Unterstützung Bayerns und Spaniens, die katholische Herrschaft im Kurfürstentum Köln durch und stärkte die Gegenreformation im Heiligen
Römischen Reich.
Neben Freising wurde er in Folge auch Bischof von Lüttich, Münster und Hildesheim.
Sein Interesse galt auch der Mathematik, Astronomie und der Alchemie, sowie der Malerei und Musik. Neben seinem strengen Ideal als Gegenreformator
neigte er zu einem ausschweifenden Lebenswandel mit Jagd, gutem Essen und zahlreichen Liebesaffären. Aus einer Beziehung mit Gertrud von
Plettenberg ging sein Sohn Wilhelm von Bayern hervor, der ebenso die kirchliche Laufbahn einschlug.
Erzbischof Ernst von Bayern starb am 17.02.1612 in Arnsberg.
8 Herzog Wilhelm V., der Fromme
Von Monika Liebel
Wilhelm wurde am 29. September 1548 als Sohn von Herzog Albrecht V. und Anna von Österreich geboren. Er erhielt eine strenge jesuitische
Erziehung, die seinen katholischen Glauben festigte und sein späteres Handeln stark prägte. Schon als junger Prinz lebte er auf der Burg
Trausnitz in Landshut, die er später zu einem prächtigen Renaissanceschloss umbaute.
Unter Friedrich Sustris entstanden die Laubengänge des Hofes, die Ausmalung der Narrentreppe und ausgedehnte Lustgärten. 1568 heiratete er
Renata von Lothringen, mit der er zehn Kinder hatte. Nach dem Tod seines Vaters Albrecht V. übernahm er 1579 die Regierung. Wilhelm war
von 1579 bis 1597 Herzog von Bayern.
Sein Hauptziel war die Förderung des katholischen Glaubens im Zuge der Gegenreformation. Er förderte die Jesuiten, gründete Kollegien im
Umkreis und ging streng gegen Andersdenkende vor. Aufgrund seines täglichen Besuchs mehrerer Messen, seiner Gebete und seiner Frömmigkeit,
erhielt er den Beinamen „der Fromme“.
Wilhelm V. war ein großer Kunstmäzen und Bauherr. Er prägte die Münchner Residenz und die Burg Trausnitz maßgeblich. Zu seinen wichtigsten
Bauwerken zählt die Jesuitenkirche St. Michael in München, die als eine der ersten großen Barockkirchen nördlich der Alpen gilt.
Seine luxuriöse Hofhaltung, die rege Bautätigkeit und seine religiösen Stiftungen brachten das Herzogtum in finanzielle Nöte. Die Schulden
stiegen. Da auch der Import von Bier für den Hof zu teuer wurde, ließ er 1589 das Hofbräuhaus in München als erste Hofbrauerei einrichten,
um Kosten zu sparen.
Er versuchte auch durch das Salzmonopol die Finanzen aufzubessern, was nur bedingt gelang. In seiner Geldnot vertraute Wilhelm dem
italienischen „Goldmacher“ Bragadino, der angeblich aus Blei Gold herstellen konnte. Weil dieser sein Versprechen nicht erfüllte,
wurde Bragadino 1591 auf Befehl Wilhelms wegen Betrugs in München hingerichtet.
Wegen der hohen Verschuldung und der Last der Regierungsgeschäfte dankte Wilhelm V. 1597 zugunsten seines Sohnes Maximilian I. ab. Er zog
sich auf Schloss Schleißheim zurück, wo er ein Leben in Askese und Gebet führte. Dort starb er am 07. Februar 1626 im Alter von 77 Jahren und
wurde in der Gruft der Jesuitenkirche St. Michael beigesetzt.
9 Herzog Ferdinand
Von Margit Schuster
Ferdinand von Bayern wurde am 6.10.1577 in München als Sohn von Herzog Wilhelm V. und Renata von Lothringen geboren.
Er wurde von seinem Vater schon früh für die geistliche Laufbahn vorbereitet und genoss die Erziehung durch die Jesuiten am Gymnasium in Ingolstadt.
Die politischen Geschicke des Hauses Wittelsbach drängten ihn in die Nachfolge seines Onkels Ernst von Bayern. Nach dessen Tod im Jahr 1612 wurde er
daraufhin Kurfürst und Erzbischof von Köln, sowie Bischof von Münster, Lüttich, Hildesheim und Paderborn.
Er unterstützte vehement die Gegenreformation, war ein maßgebender Förderer von Hexenprozessen in Nordwestdeutschland und bis zu seinem Tod
am 13.09.1650 fast 40 Jahre lang einer der einflussreichsten katholischen Reichsfürsten.
Die geistliche Weihe blieb ihm jedoch zeitlebens versagt, da er notfalls die Nachfolge seines älteren Bruders Maximilian I. als Kurfürst von
Bayern antreten und eine Ehe eingehen können sollte, falls der Bruder kinderlos blieb.
Nebenbei war Ferdinand von Bayern ein begeisterter Jäger und ein Förderer der Kunst.
10 Kurfürst Maximilian I.
Von Lukas Spencer
In der rechten unteren Ecke des Gebäudes wird die Fassade des Landschaftshauses durch das Abbild Maximilians I. abgeschlossen, der im schwarzen Feldharnisch dargestellt wird. Als Hans Georg Knauf 1599 die opulente Renaissancebemalung ausführt, ist Maximilian gerade mal seit zwei Jahren Alleinherrscher. Sein Vater Wilhelm V. hatte 1597 infolge hoher Staatsverschuldung abgedankt. Unter Maximilians Herrschaft entwickelte sich das Herzogtum Bayern zu einer europäischen Mittelmacht, was vor allem seinen zahlreichen militärischen Erfolgen zu verdanken ist, die ihm den Beinamen „der Große“ gaben.
Maximilian, der als einziger europäischer Herrscher den Dreißigjährigen Krieg überlebte und im Amt blieb, gründete 1609 die Katholische Liga als Gegenbewegung zur Protestantischen Union. Der Oberbefehlshaber der Liga, Generalleutnant Graf von Tilly, bezwang mit seinem katholischen Heer 1620 bei Prag in der bekannten Schlacht am Weißen Berg die Truppen des böhmischen Königs und Anführers der Protestantischen Union Friedrichs V. Als Dank für Maximilians Unterstützung, die den Habsburgern das Königreich Böhmen sicherte, übertrug der Kaiser die Pfälzer Kurwürde an Bayern, wodurch Maximilian als Kurfürst zum engen Kreis der Kaiserwähler gehörte. Zwar ging Maximilian I. als einer der politischen Sieger aus dem Dreißigjährigen Krieg hervor, allerdings zu einem hohen Preis: Die Einwohnerzahl Bayerns war um mehr als ein Drittel gesunken und die Versorgungslage aufgrund der massiven Verwüstungen katastrophal.
Auch wenn Maximilian in der neueren Geschichtsschreibung vor allem in Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg erwähnt wird, ist seine Bedeutung für die damalige bayrische Innenpolitik nicht zu unterschätzen. Unter seiner Regentschaft wurde die Gottesmutter Maria als Schutzheilige Bayerns („Patrona Bavariae“) verehrt und der Wallfahrtsort Altötting als Zentrum der Marienverehrung auserwählt. Gesteigerte Marienfrömmigkeit werde dem Treiben der dunklen Mächte Einhalt gebieten, so lautete die Überzeugung Maximilians. Dieser verfügte sogar, dass sein Herz nach seinem Tod im Jahr 1651 im Altar der Gnadenkapelle in Altötting beigesetzt werden sollte. Diesem Beispiel sollten bis zum Ende ihrer Regentschaft im 20. Jahrhundert die meisten Wittelsbacher folgen.
In Landshut wurde auf Anordnung Maximilians 1595 das Kollegiatstift St. Kastulus von Moosburg nach Landshut verlegt und neun Jahre später ein Teil der Reliquien des Heiligen Kastulus übertragen. Dadurch erhielt die Hauptkirche St. Martin einen zweiten Kirchenpatron und wurde gleichzeitig Stiftskirche. Außerdem gründeten die Jesuiten im Auftrag von Kurfürst Maximilian am südlichen Ende der Landshuter Neustadt ein Kolleg und errichteten die Jesuiten-Klosterkirche St. Ignatius. Diese Maßnahmen verfolgten allesamt den Zweck, den katholischen Glauben in Landshut zu stärken und die Gegenreformation voranzutreiben.